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     16. August 2018, 14:22 Uhr
 


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Rechtfertigung der Gewalt?

Die Jagd und die Jäger seien in Verruf geraten, schrieb die Basler Zeitung am 16. Oktober 2004, die Jäger müssten ihr Hobby immer mehr als nutzbringend rechtfertigen. Gleich wurde auch die abgedroschene Rechtfertigung für die Knallerei nachgeschoben: die Hege und Pflege von Wild und Revier. Nicht erwähnt wird jedoch, dass die Jagd im Kanton Genf schon seit 30 Jahren verboten ist, ohne dass der Wald oder das Wild deswegen Schaden davongetragen haben. Die Hege und Pflege von Wild und Revier wird dort zur allgemeinen Zufriedenheit von den dafür angestellten Wildhütern besorgt. Dafür braucht es keine Jäger, die ihre „Urtriebe ausleben“ (so der Präsident des Baselbieter Jagdschutzvereins) und dabei Wildtiere oft nur verletzen, worauf diese flüchten und elendiglich verenden müssen. Aber nicht nur Tiere werden während der Jagdzeit angeschossen, sondern auch ahnungslose Spaziergänger. Von einem solchen Abenteuer im Wald hat mir eine Bekannte vor einiger Zeit erzählt. Zum Glück durchschlug das ziellose Geschoss eines Jägers nur den Mantel der Getroffenen.

Ferner berichtete die Basler Zeitung , dass die Jäger im Oberbaselbiet regelmässig die Schulen besuchen, um das Waidwerk schon den Kindern zu erklären. Es ist unbegreiflich, dass es von Schulbehörden und Lehrern toleriert wird, wenn Jäger Schulklassen besuchen, um den Kindern das Töten als erklärungsbedürftiges Handwerk darzustellen. Da wird ständig über die zunehmende Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen gejammert, und gleichzeitig instruiert man die Jugend darüber, wie Gewalt mit dem Gewehr „richtig“ anzuwenden sei. Ob diese Jäger im Lehrerpelz den Kindern wohl auch erzählen, dass zum Beispiel letztes Jahr 588 Birkhühner abgeschossen wurden, wobei gerade die Birkhühner zu den bedrohten Tierarten gehören?

Vollends unerklärlich ist die im gleichen Artikel wiedergegebene Bemerkung von ProNatura-Mitarbeiter Rico Kessler, dass Rehpfeffer „wesentlich unbedenklicher“ sei „als das Kotelett einer Mastsau“. Als ob man ein Übel mit einem anderen entschuldigen könnte! Es ist doch klar: Wer Gewalt gegen Wehrlose – sei dies nun ein frei im Wald lebendes Reh oder ein im Maststall dahinvegetierendes Schwein – vermeiden will, muss sowohl auf den Rehpfeffer als auch auf das Schweinskotelett verzichten. Das eine gegen das andere auszuspielen, zeugt nicht gerade von besonderer Ehrfurcht vor allem Leben, wie es Albert Schweitzer postuliert hat.

Lislott Pfaff

Quellen:
Basler Zeitung 16.10.04
www.textatelier.com

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