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Schönheit und Intelligenz

Lässt sich Schönheit messen? Mit dieser Frage befasste sich schon der Mathematiker Leonardo Fibonacci aus Pisa im 13. Jahrhundert. Er war der erste Mathematiker, der den Goldenen Schnitt[1] fundiert nachgewiesen hat. Leonardo da Vinci und viele andere Künstler entwarfen ihre Kunstwerke nach dieser Formel. Auch heute kommen Künstler und Architekten nicht um diese Verhältniszahl herum. In der Regel werden Personen als schön empfunden, wenn die „Formel für Schönheit“, erfüllt ist.

Neu ist der Versuch, endlich zu klären, ob schöne Menschen auch intelligent seien. Bisher wurde ja immer behauptet, schöne Menschen seien nicht so reichlich mit Intelligenz behaftet. Der Ulmer Humangenetiker Prof. Horst Hameister schritt nun zur Tat. Er vermass die Bilder von den schönsten Frauen Deutschlands während der Vorbereitungen zur Miss-Germany-Wahl 2004 mittels des Goldenen Schnitts* und überprüfte die Intelligenz mit einem eigenen Test. Es wurden die 5 schönsten und intelligentesten Frauen ermittelt. Parallel dazu liess der Fernsehsender ProSieben von Schönheitsexperten die „Top 5“ ermitteln. Das Ergebnis war überraschend: 3 der 5 vom Computer ermittelten intelligenten Schönen wurden auch vom Expertenteam gewählt. Die spätere Miss Germany war in der Computerauswertung nur 5. Die Intelligenteste mit einem IQ-Wert von 120 wurde später 10., bei der Auswertung am Computer war sie noch unter den „Top 5“. Als die Betreffende das Ergebnis hörte, war sie höchst erfreut und nahm es mit Humor. Sie meinte, sie sei zwar nicht die Schönste, aber die Intelligenteste – und das wäre auch was. Sie findet die Untersuchung ganz amüsant. Das Ergebnis wurde übrigens am 3. Januar 2005 in der Sendung „Galileo“ bekannt gegeben.

Als ich einen Internet-Ausdruck mit den erwähnten 5 schönsten Frauen unserem 4½-jährigen aufgeweckten Enkel Manuele zeigte und ihn fragte, welche er denn als die Schönste empfindet, deutete er genau auf die Dame, die auch ich auswählte. Welch eine Übereinstimmung. Meine Frau Paula wählte dagegen eine andere. Dies besagt wiederum, dass jeder Mensch Schönheit anders empfindet.

Unterschiedliche Meinungen zur Schönheit haben Männer und Frauen. Schon Louise de Vilmorin schreibt: „Wenn die Männer die Schönheit einer Frau mehr schätzen als ihre Intelligenz, so hat das einen Grund, dass es auf Erden mehr Dummköpfe gibt als Blinde.“ Der französische Moralist Jean de La Bruyère meint zur Urteilsfähigkeit von Frauen : „Wenn eine Frau eine andere schön findet, kann man darauf schliessen, dass sie sich selbst für noch schöner hält. Ebenso wie ein Dichter die Verse eines anderen nur dann zu loben pflegt, wenn er sie schlechter findet als die eigenen .

Eines muss man jedoch beachten: Bei den Misswahlen kommen angeblich makellose Frauen in die Endausscheidung. Hier wird oft Schönheit durch kosmetische Prozeduren, passende Frisuren und schicke Kleidung aufgepeppt. Werden diese Models abgeschminkt, dann sehen sie in den meisten Fällen wie Durchschnittsfrauen aus.
Wer mit offenen Augen durchs Leben schreitet, der sieht Menschen, die nicht dem üblichen Schönheitsideal entsprechen und mit Sommersprossen oder Muttermalen behaftet sind, aber durch eine warmherzige Ausstrahlung positiv überraschen, hilfsbereit und auch intelligent sind. Diese Menschen sind mir lieber als makellose, missmutige und langweilige Typen. Dazu ein treffendes Zitat von Christian Friedrich Grabbe: „Dem schönsten Antlitz fehlt zur höchsten Zierde oft nur ein Blattergrübchen, eine Narbe.“

In einer Umfrage der Zeitschrift „Brigitte“ meinte eine Schreiberin, dass ein intelligenter Gesichtsausdruck sicher ganz erheblich zur Schönheit beiträgt. Eine andere sagte: „Ich muss schon sagen, ich war leicht überrascht von diesem Ergebnis. Sollte sich das herumsprechen, haben dann Operationen vielleicht bald einen intelligenzfördernden Charakter?“ Nun, das dürften sie nicht haben. Zum Glück kann man Intelligenz nicht in einen Körper zaubern. Ich habe schon Leute erlebt, die wunderschön aussahen, aber sobald sie den Mund aufmachten, war es aus und vorbei mit der Bewunderung.

Sind Frauen intelligenter?
Sind Frauen intelligenter als Männer? Bei dieser Frage gab es in der Vergangenheit heisse Diskussionen. Nun wissen wir, laut Prof. Horst Hameister , wer intelligenter ist. Es sind die Frauen. Er behauptete, dies liege an den X-Chromosomen (jede Frau hat eins mehr als der Mann ). „Wenn beim weiblichen Geschlecht ein X-Chromosom defekt ist, kann dies ausgeglichen werden. Bei Männern geht das nicht“, so der Professor.

Aber trösten wir uns Männer: Eine herausragende Intelligenz tritt fast nur bei Männern auf. Warum das so ist, wurde bisher nicht geklärt. Die Autoren Roger Highfield und Paul Carter , die das Buch „Die geheimen Leben des Albert Einstein“ geschrieben haben, wundern sich, warum gerade hochintelligente Menschen (Schriftsteller, Wissenschaftler) nicht schön aussehen. Hier wird also die Behauptung „schön und intelligent“ auf den Kopf gestellt.

Noch einige Sätze zur Intelligenz. Es gibt die kulturabhängige Intelligenz (sprachliche Fähigkeiten, allgemeines Wissen, Redegewandtheit) und die kulturunabhängige Intelligenz (räumliche Vorstellungskraft, Auffassungsgeschwindigkeit, Gedächtnis und schlussfolgerndes Denken). Ein Trost ist, dass die Gene nur mit weniger als 50 % an der Intelligenz beteiligt sind. Die Aussagefähigkeit der Intelligenztests ist beschränkt und in vielen Bereichen umstritten. Laut „Gesundheits-Brockhaus“ sind bei den Tests die kulturbedingten Faktoren oft Voraussetzung, um die Aufgaben zu lösen. Somit spielen kulturelle und soziale Aspekte für das Ergebnis eine Rolle.

Was nützt die beste Veranlagung zur Schönheit, wenn der Betreffende wenig für seine Horizonterweiterung tut. Während meiner Schulzeit beobachtete ich dies immer wieder. Einige Lehrer wurden von den Fräuleins, die mit Raffinesse ihre Schönheit und Reize zur Schau stellten, so umgarnt, dass sie in ihrer Verblendung ihnen bessere Noten gaben. Die anderen guckten in die Röhre und mussten mehr lernen. Später zahlte sich das angeeignete Wissen aus, denn auf weiterführenden Schulen waren andere Lehrer da, die sich nicht hinters Licht führen liessen.

Heute ist es jedoch so, dass Mädchen bessere Noten schreiben als Jungs. Sie überzeugen durch Leistung, während Knaben bequemer sind. „Der Spiegel“ (2004-21) schreibt in seinem Bericht „Schlaue Mädchen, dumme Jungen“ : „Vor allem beim Lesen und beim Textverständnis liegen die Mädchen weit vorn, auch in Biologie sind sie längst überlegen.“

Auch so mancher Personalchef, der nur die äussere Schönheit beurteilte, fiel auf die Nase. Heute ist es so, dass im harten Konkurrenzkampf nicht Schönheit, sondern Fachkompetenz, Zuverlässigkeit, Fähigkeiten zur Teamarbeit und gutes Benehmen zählt.

Das ist gut so, denn nun hat jeder die Chance, im Leben etwas zu erreichen.

Heinz Scholz

[1] Infos über den Goldenen Schnitt unter http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt

Der Goldene Schnitt ist ein bestimmtes Verhältnis zweier Zahlen. Die ideale Verhältniszahl ist 1,6. Im Beispiel der von uns als schönste bewertete Frau ist der Goldene Schnitt erfüllt. So betrug das Verhältnis Mundbreite (1,5) zur Nasenbreite (0,9) 1,67 und das Verhältnis des Abstandes der beiden Ohrmuscheln (4,9) zu beiden Augenwinkeln (2,9) war 1,69.

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