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     18. August 2018, 14:55 Uhr
 


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Das unheilbar kranke Krankheitsgewerbe

Das Krankheitsgewerbe, in den westlichen Industrieländern, meist schönfärberisch als Gesundheitswesen bezeichnet, ist von Grund auf falsch konzipiert. Man kann daran herumdoktern, so viel man will – da ist nichts mehr zu retten. Alle Kosmetik bis hin zu immer anderen Verteilungsmodi in Bezug auf die ständig steigenden Kosten nützt nichts; es kommt auch kaum darauf an, über welche Umwege man die Millionen und Milliarden, die dafür aufgewendet werden müssen, aus dem Volk heraussaugt. Das System wird dadurch nicht gesund. Es ist ähnlich wie bei der zerfallenden Volksgesundheit: Operationen, Bestrahlungen, medikamentöse Dauerbehandlungen bis hin zur Herbeiführung chronischer Krankheiten, der Folge der ständigen Körperschädigung, schaden nur. Man müsste die Ursachen angehen. Aber das ist ein Grundsatz, den unsere Zeit verlassen hat – sogar im gesamten politischen, auch weltpolitischen Bereich.

Die altchinesische Kultur zur Gesundheitsbewahrung könnte ein Vorbild sein. Die damaligen Ärzte kannten Diagnoseverfahren, mit denen es möglich war, beginnende Krankheitsprozesse zu erkennen, lange bevor sich diese in körperlichen Beschwerden manifestierten. Es bedurfte nur noch geeigneter Therapiemethoden und vor allem Umstellungen in der Lebensweise, um die beginnende Krankheit zu heilen. Es gab keine andere Lösung, weil das intelligent konzipierte Gesundheitssystem (das diesen Namen verdiente) darauf basierte, einen Arzt nur zu bezahlen, solange er den von ihm betreuten Menschen bei bester Gesundheit erhalten konnte. Sobald der Klient erkrankte, blieb das Honorar für den Arzt aus, und um dessen Ansehen war es geschehen. Der Arzt hatte versagt.

In unserem westlichen chemieorientierten und operationsfreudigen Medizinalbetrieb ist es gerade umgekehrt: Je kränker die Menschen sind, um so mehr verdienen die Ärzte und der gesamte damit verbundene Wirtschaftssektor. Eine Aufklärung über eine gesundheitserhaltende Lebensweise bleibt aus oder erfolgt bestenfalls in nebulöser Form; Forschungsstätten kümmern sich kaum um krankheitsverhütende Massnahmen. Und da werden von schulwissenschaftlicher Seite gerade auch noch Naturheilmittel bekämpft, und am liebsten würde man wohl auch Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente verbieten... Das Wissen, das für eine eigenverantwortliche Lebensweise nötig wäre, wird kaum verbreitet, und die Eigenverantwortung wird nicht gefördert, schon eher Therapiesüchte aller Art.

Im wichtigsten Lehrbuch der chinesischen Han-Periode[1] (206 vor bis 220 nach unserer Zeitrechnung) heisst es: "Medikamente gegen Krankheiten zu verschreiben, die sich bereits entwickelt haben (...) ist dem Verhalten von Personen vergleichbar, die lange, nachdem sie Durst verspüren, einen Brunnen zu graben beginnen, oder jenen, die mit dem Schmieden von Waffen beginnen, nachdem sie bereits in eine Schlacht verwickelt sind – würden solche Massnahmen nicht zu spät kommen?"

Eine der Kardinaltugenden des Konfuzianismus, auf dem solche Erkenntnisse fussen, war die Weisheit.

wh.

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[1] Die Han-Dynastie wurde durch Liu Pang (Bang), einem aus dem Volk aufgestiegenen Heerführer, begründet. Vorerst handelte es sich um einen Mischstaat aus Feudaldomänen und Gebieten, die unter staatlicher Verwaltung standen, bis sich bei der Beamtenauswahl ein Prüfungsverfahren durchsetzte, das sich an konfuzianischen Schriften orientierte. Die Staatsverwaltung wurde durch eine neue Elite geleitet, die sich Reichtümer anzueignen wusste. Die Tüchtigkeit kannte auch diesbezüglich keine Grenzen...

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