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     17. August 2018, 23:04 Uhr
 


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Der Rundlauf der 5 Elemente

Wie viele Jahreszeiten gibt es? Die Antwort im westlichen Kulturraum: 4 (Frühling, Sommer, Herbst und Winter und seit griechischen Zeiten 4 Elemente: Erde, Feuer, Luft und Wasser). Fragen Sie einen Chinesen oder eine andere Person aus dem Fernen Osten, so wird er sagen: 5 (Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser). Denn in China wird der Spätsommer als eigene Jahreszeit betrachtet. Es ist also alles eine Frage des Unterteilens und Zählens!

Die Frage ist nun, ob es im Feng Shui 5 Jahreszeiten gibt, weil man von „5 Elementen“ ausgeht – oder umgekehrt. Diese „Elemente“ gehören zu den fundamentalen Feng-Shui-Grundlagen. Jedenfalls ist jeder Jahreszeit ein Element zugeordnet, das jeweils als Symbol für die Eigenschaften der Materie zu betrachten ist: Dem Frühling das Holz, das im Feng Shui am Anfang steht (im Westen aber nicht als Element gilt), dem Sommer das Feuer, dem Spätsommer die Erde, dem Herbst das Metall und dem Winter das Wasser. Die Kombinationen aber gehen noch weiter: Jedes der Elemente, die treffender auch als Wandlungsphasen bezeichnet werden, besitzt unter anderem seine eigene Geschmacksrichtung und eine Verantwortlichkeit über ein oder mehrere menschliche Organe:

Frühling Wind sauer Leber und Galle
Sommer Hitze bitter Herz und Dünndarm
Spätsommer Feuchtigkeit süss Milz und Magen
Herbst Trockenheit scharf Lunge und Dickdarm
Winter Kälte salzig Niere und Blase

Entsprechend wird man sich ernähren: z.B. saure Früchte wie Kiwi, Zitronen und Hagebuttentee im Frühling, Löwenzahn, Chicoree im Sommer, Kartoffeln und Fencheltee im Spätsommer, Rettich, Pfefferschoten, Zwiebeln, Knoblauch und Wild im Herbst und Meerestiere, Erbsen und Linsen im Winter. Damit können bestimmte Elemente ergänzt und gestärkt oder vor einer Schwächung verschont werden. Nicht nur der Ernährung, sondern auch der Medizin (um klinische Prozesse und Beziehungen zu beschreiben), der Akupunktur, der Musik usw., alles ist in die Wandlungsphasen einbezogen. Als Ursachen für Krankheiten gelten Wind, Kälte, Hitze, Nässe, Trockenheit, aber auch Infektionen, falsche Ernährung, körperliche Erschöpfung und psychische Belastung. Die Therapien sind stets darauf ausgerichtet, Disharmonien zu beseitigen und die Lebenshaltung besser in die Naturkreisläufe einzubinden.

Auch die Zahlen werden den 5 Elementen unterworfen: beim Holz sind 3 und 8 angesiedelt; beim Feuer 2 und 7; bei der Erde 5 und 10; beim Metall 6 und 9 sowie beim Wasser 6 und 1. Zudem lassen sich intuitiv auch alle Gegenstände, Farben, Formen und Menschen einem der 5 Elemente zuteilen. Diese Elemente, eine differenzierende Erweiterung des Yin-Yang-Dualismus, können sich gegenseitig fördern oder hemmen, ein ewiger Kreislauf von Entstehung und Zerstörung, bei dem alles miteinander in Beziehung steht. Die Wechselwirkungen der universellen Elementarkräfte sind es gerade, welche die Entwicklung eines Elements und seinen Einfluss auf die Umgebung bestimmt. Wenn man die Bedeutungszusammenhänge genau beobachtet und richtig interpretiert, kann der Mensch sein Schicksal und damit auch das Qi verbessern. Allerdings kann dieses umfassende Thema hier selbstverständlich nur andeutungsweise behandelt werden; es ist lediglich ein grober Überblick möglich, der dazu anregen soll, sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.

Ein Element, welches das andere nährt [1], wird dabei selber geschwächt: Holz entzieht der Erde Nährstoffe, schwächt also die Erde, wird aber dann selber schwach, wenn es zu Feuer wird, eine runde Abfolge wie bei den Himmelsrichtungen (Frühling = Osten), die im Prinzip weder Anfang noch Ende kennt. In jeder Phase liegt der Ansatz für den Beginn der nächsten. Hier offenbart sich eine vernetzte Denkweise über eine reine wechselseitige Dynamik hinaus mit starkem Naturbezug und einem ausgeprägten Harmoniestreben, der man allen Respekt zollen muss.

Das persönliche Element des Menschen ergibt sich aus seinem Geburtsdatum, seinem Charakter und damit aus seinem Verhalten, und das wiederum muss selbstverständlich bei der Partnerwahl berücksichtigt werden. Holz-Menschen sind energiegeladen, Feuer-Menschen sind unternehmungslustige Anführer, Erd-Menschen gelten als loyal, Metall-Menschen als dogmatisch und entschlossen und Wasser-Menschen als diplomatisch und packende Rhetoriker.

Die 5 Elemente werden in China Wuxing (Wu Xing) genannt, wobei Wu die Zahl 5 bedeutet und Xing (gehen, bewegen) wohl für die 5 unterschiedlichen Arten von Qi steht, die gerade vorherrschen. Man müsste somit eher von dynamischen Prinzipien als von „Elementen“ sprechen; denn es sind ja keine realen Substanzen, sondern eher im steten Wandel begriffene Energiequalitäten gemeint.

Walter Hess

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[1]Der nährende Zyklus : Holz nährt das Feuer - Feuer nährt die Erde (durch die Asche) - Erde nährt das Metall - Metall nährt das Wasser - Wasser nährt das Holz. - Der erschöpfende Zyklus : Holz saugt Wasser -Wasser zerstört Metall -Metall laugt Erde - Erde löscht Feuer - Feuer verbrennt Holz. - Der kontrollierende (unterwerfende) Zyklus : Holz laugt Erde aus - Wasser löscht Feuer - Metall schneidet Holz - Feuer schmelzt Metall - Erde lenkt Wasser.

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