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     17. August 2018, 23:04 Uhr
 


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Klosettdeckel zu!

Wir verbessern unseren Wohn- und Lebensstil laufend, mehren unsere Erkenntnisse und finden das Leben mit zunehmendem Alter schöner. Im Rahmen dieses stetigen Bemühens haben wir vor einigen Jahren einen erfahrenen Feng-Shui-Experten zugezogen und uns inzwischen selber intensiv in diese altchinesische Weisheitslehre eingelebt, die sich insbesondere mit dem Haus (den Wohnräumen und dem Garten) beschäftigt, mit jenem Bereich also, in dem wir einen grossen Teil unseres Lebens zubringen. Dadurch wird das Feng Shui auch zur Gesundheitslehre; nur in einer intakten, wohlgestalteten Biosphäre ist ein gedeihliches Leben denkbar.

Das Bauen und Wohnen sind endlose Prozesse; es gibt immer wieder Gelegenheiten, die Lebensqualität zu verbessern, wie beispielsweise an der historischen Entwicklung von der Latrine über die Toilette mit Wasserspülung bis zum Hightech-Clos-o-maten darzulegen wäre. Aber es geht hier um Höheres als um technische Errungenschaften.

Feng Shui bedeutet "Wind und Wasser". Das bezieht sich nicht auf die Geschehnisse am "stillen Örtchen", wie man sogleich vermuten könnte, sondern darüber hinaus auf die Lebensenergie in ihrer Gesamtheit. Die alten Chinesen, Tibeter und Inder wussten vor 5000 und mehr Jahren schon, dass alles Energie ist; die Atomphysiker können das nur bestätigen. Diese nicht zu widerlegende, grossartige Erkenntnis schlug sich vor Urzeiten in asiatischen Weisheitslehren nieder, die nicht einfach auf banal-mechanistischen Betrachtungsweisen beruhen. Die chinesische Feng-Shui-Lehre zeigt vielmehr generell auf, wie wir durch Auswahl des Platzes, an dem wir leben, und durch seine harmonische Gestaltung zu Gesundheit, Glück und sogar materiellem Erfolg finden können.

Für die Ausgestaltung des häuslichen Umfeldes müssen wir unser bestes Wissen und Empfinden einsetzen; es gilt, unseren engsten Lebensraum durch den Einbezug von Feng-Shui-Wissen und Erkenntnissen aus der Harmonielehre so zu gestalten, dass er ein Garant für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist. Für uns Individualisten gibt es nicht einfach Lösungen ab Stange. Vor allem geht es darum, das Qi (Chi), die Lebensenergie, fliessen zu lassen. Wir brauchen sie. Wir brauchen ihre energetisierenden, belebenden Turbulenzen und dürfen nicht einfach zuschauen, wie sie durchs Fenster oder das WC entschwindet. Das wäre eine Verschwendung von Wesentlichem.

Auf der Suche nach zusätzlichem Glück und einer nutzbringenden Beeinflussung des Qi durchstreiften wir also mit besagtem Feng-Shui-Experten unseren Wohnbereich – und wurden fündig: im WC/Bad. Der Fachmann sagte, die Nassräume seien generell wahrscheinlich die problematischsten Bereiche eines Hauses; denn nach der chinesischen Lehre gilt das Wasser (Shui) als hochaktives Element, was durchaus mit westlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimmt; es wird auch mit Geld gleichgesetzt. Deshalb, so erwähnte der Meister ferner, sollte der Toilettendeckel, welcher bei unserer Exkursion gerade offen war, immer geschlossen sein, ansonsten sich die Lebensenergie Qi im Ablaufkanal verliere. Recht hatte er!

Seither sind in unserem Haus alle Klosettdeckel immer geschlossen, wenn die Anlagen ausser Gebrauch sind. Und wenn das irrtümlicherweise einmal nicht der Fall sein sollte, vielleicht weil ein Feng-Shui-unkundiger Benützer aus seiner Unwissenheit heraus einen Fehler gemacht hat oder ein Telefonanruf uns zur Unordentlichkeit veranlasste, machen wir uns gegenseitig freundlich in Schweizer Mundart, wie wir eben reden, darauf aufmerksam: "S' Tschi isch wieder bachab gange." Das heisst, die Lebensenergie sei in der Kanalisation verschwunden. Wir spüren bei solchen Vorkommnissen jeweils, dass etwas nicht mehr stimmt, und schliessen den Deckel feuerwehrmässig. Dann funktionieren wieder alle Lebensenergieflüsse einwandfrei. Im Haus breitet sich Harmonie aus.

Wenn wir seither ein WC betreten, in dem der Deckel offen ist und wir dieses schwarze oder andersfarbige Oval sehen, das sich müde, abweisend und unordentlich an den Spülkasten lehnt, haben wir das Gefühl, hier herrsche Unordnung, und Unordnung vermittelt eine schlechte Stimmung. Wo Unordnung herrscht, muss sich das Qi übergeben – das WC ist das ideale Auffangbecken. Aber es gibt bessere Lösungen. Wir schliessen den Deckel beim Verlassen des Abortes, und die Lebensenergie umschwärmt uns wieder aufs Wohltuendste.

Das WC hat gescheitere Aufgaben, als Lebensenergie abzuleiten.

Walter Hess

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