Textatelier
BLOG vom: 19.08.2005

Heimlich, still und leise: Philosophien über Furzideen

Autor: Emil Baschnonga

Die Furzideen bemerkt man zumeist und zuerst bei den Anderen. In Bezug auf den eigentlichen, rechtschaffenen Furz mit Knalleffekt ist es interessant, die Physiognomien des Auslösers und jene der im Umfeld unmittelbar Betroffenen zu beobachten. Wer ihn von sich gegeben hat, schützt vor, dass der Knall aus einer anderen Richtung kam, und schaut sich sogar etwas betroffen um. Natürlich überhört man in guter Gesellschaft solche Laute geflissentlich.

 

Die schlimmsten Fürze sind diejenigen, die heimlich und lautlos entschleichen. Sie steigen, lange nachwirkend, in die Nase, und mit einer Ausnahme weiss niemand, von wo sie kommen. So rümpft man in schlechter Gesellschaft halt die erwähnte Nase und sagt: „Prosit!“. Der Anstand erfordert übrigens, dass man die besten Fürze unter der eigenen Bettdecke entspringen lässt.

 

Es braucht Mut, seine eigenen Furzideen einzugestehen. So habe ich es mit meinem „Ziertisch – oder die chinesische Geduldsprobe“ (Blog vom 5. 6. 2005) auch gehalten. Von ebenbürtigem Rang im Reich solcher Ideen ist das Blog (11. 8. 2005) „Mühsamer Bericht über Handaushub im lehmigen Jurakalk“. Wenn der Autor das Adjektiv „mühsam“, das sich auf den Bericht bezieht, streichen würde und nicht mehr vom Lesen abriete, wäre das Blog futsch.

 

Gravierend im Sinne von folgenschwer sind die Furzideen auf der politischen Ebene. Hier löst ein Furz den anderen ab, in England etwa der verlängerte Alkoholausschank oder die vorgeschlagene Besteuerung von Verstorbenen, wonach Steuern so lange gestundet werden, bis der Schuldner unter der Erde ruht. Dann aber kommt das Steueramt nicht etwa zum Grabe, sondern zum Zuge und treibt die Schulden aus dem Erbgut ein, sehr zum Ärger der Erben. Jetzt erst verstehen diese, wie es dazu kam, dass der liebe Verwandte auf Borg (ohne sofortige Bezahlung) seine letzten Jahre so luxuriös verprassen konnte … Nebenbei bemerkt: Furzideen setzen sich meistens durch.

 

Wie kann einer auf die Furzidee kommen, wie vor wenigen Tagen im teuren Londoner „Mo*vida London Club“ tatsächlich geschehen, insgesamt an einem sagenhaften Abend 49 Flaschen Champagner zu bestellen – Kostenpunkt: £ 26 000 –, einfach um ihren Inhalt ringsum zu verspritzen? Ein 33-jähriger Investment-Banker aus Monaco feierte dort im Freundeskreis seine Party. Für den im Lokal angerichteten Sachschaden wurden ihm zusätzlich £ 15 000 in Rechnung gestellt. Diese Schnaps- bzw. Champagneridee muss meinem Blog vom 10. 8. 2005 über „Die fetten Manager-Katzen“ zugeordnet werden.

 

Item, ich habe hier wieder einmal etwas „Luft“ abgelassen, ehe ich mich meiner Brotarbeit zuwende.

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