Textatelier
BLOG vom: 19.10.2012

Hacker McKinnon entgeht der Auslieferung an die USA

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Die Nachricht, dass Gary McKinnon dank der Intervention von Theresa May (MP und Home Secretary) nicht an die amerikanische Justiz ausgeliefert wird, hat die Weltrunde gemacht. Seit 2002 kämpften der 46-jährige Gary und seine Mutter gegen das USA-Auslieferungsbegehren.
 
Diesem Hacker war es gelungen, in die scheinbar sicher versiegelten Pentagon- und NASA-Datenbanken einzudringen. So zogen die CIA und FBI ins Feld, um diesen Einbrecher dingfest zu machen. Er habe ausserdem hohen Sachschaden verursacht, wird ihm vorgeworfen. Der bereits angeschlagene Ruf der USA kriegte einen zusätzlichen Kick ans Schienbein, von der mutigen Theresa May verabreicht.
 
Gary ist kein Terrorist. Vorgeblich – und wohl auch vergeblich – wollte er dort über die Existenz von UFOs nachforschen. In der Presse wurde Gary als „sci-fi nut“ bezeichnet. Er leidet angeblich am Asperger Syndrom. Dieses vom Österreicher Hans Asperger entdeckte Syndrom, eine Abart von Autismus, entbehrt der wissenschaftlich nachweisbaren Grundlage. Diese Diagnose kann jeden Exzentriker treffen. Nebenbei: Der deutsche Biedermeier Maler Carl Spitzweg (1808–1885) hat sich der Ekzentriker und Eigenbrödler in seinen Gemälden wie „Der Bücherwurm“ oder „Der Kaktusliebhaber“ humor- und liebevoll angenommen.
 
Im Fernsehauftritt mit seiner Mutter konnte sich Gary gut äussern. Er manipulierte nicht nur den PC in seinem Schlafzimmer in London, sondern spielte auch Klavier. Er hat also einen fein entwickelten Tastsinn, der den meisten „Aspies“ teilweise abgesprochen wird. Sie gelten u. a. als „clumsy“ (ungelenk). Ich selbst ertappe mich hin und wieder als ungeschickt bei der Handhabe des Zapfen- oder Schraubenziehers …
 
In den USA hätte ihn eine 60-jährige Gefängnisstrafe für sein Verbrechen erwartet. Es wurde befürchtet, dass er, in den USA eingekerkert, Selbstmord hätte begehen können. Das befand der ehemalige Ratgeber im „White House“, David Rivkin, schlicht als „lächerlich“, hinzufügend, „dass die amerikanischen Gefängnisse einen ausgezeichneten Ruf haben, um Gefangene vom Selbstmord abzuhalten.“ Wer das glaubt, leidet an einem ganz anderen Syndrom: Schwachsinn.
 
Die Kommentare der Leser eines ausführlichen Berichts im „The Daily Telegraph“ über diesen Fall sind mehrheitlich gegen Gary gerichtet. Es kann sogar noch immer sein, dass er vor ein englisches Gericht gestellt werden könnte. Mir scheint es, dass er, nach dem 10-jährigen Gerangel gegen seine die Auslieferung an die USA, seine „Strafe“ mehr als abgesessen hat.
 
Die mutige Intervention von Theresa May gegen Garys Auslieferung an Amerika sei gepriesen. Es ist höchste Zeit, dass Grossbritannien mehr Rückgrat gewinnt gegenüber der selbstherrlichen und autoritären USA, die sich die Macht eines Weltrichters anmasst. Gary’s Mutter bemerkte dazu: „To stand up to another nation as strong and powerful America is rare and she had the guts to do so.” Bravo!
 
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