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BLOG vom 18.04.2013


Hier gibt es keine Extrawürste. Die Vorbilder aus Asien
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Frechdachse begehren immer wieder Extrawürste, die nichts kosten. Ihnen wird oft der Riegel geschoben mit dem lakonischen Hinweis: „Hier gibt es keine Extrawürste“.
 
Auf eigene Vorteile erpicht, besetzen sie 2 Sitze in den Verkehrsmitteln: einen für sich, einen für ihre Tasche. Im Café verschanzen sich die „Netzarbeiter“ hinter ihren Laptops. Sie wollen nicht, dass sich jemand an ihren Tisch setzt. Ein Mantel oder Kittel wird über eine Stuhllehne geworfen. Die Tragtasche für den Laptop liegt auf der Tischplatte ausgebreitet. Auch viele Autofahrer im Stadtverkehr hemmen andere Fahrer und gefährden Fussgänger auf dem Zebrastreifen. Die Ampel wechselt auf Orange, und da kommt einer, der mit Nachdruck auf dem Gaspedal die Kreuzung hemmungslos überquert.
 
Gross gewachsene, breitschultrige Leute oder dick gewamste umringen auf dem Flohmarkt den Verkäufer bereits, wenn er seine Ware auspackt. Nein, ich versuche nie, mich durch sie vorzudrängen, sondern gehe gelassen weiter. Ich weiss aus Erfahrung, dass sie in ihrem Eifer die besten Fundstücke übersehen. Alte Frauen verstellen mit ihren Einkaufswägelchen den Weg der Besucher.
 
Wie weit soll man sich durch Feilschen einen Vorteil erbeuten? Man bedenke, dass die Verkäufer auf dem Flohmarkt in aller Herrgottsfrühe erscheinen und die Eintrittsgebühr von £ 10 entrichten. Sie harren dort stundenlang auch bei Kälte aus. Oft sind es Pensionierte, die auf einen Nebenverdienst angewiesen sind. Ich habe mir vorgenommen, weniger hart als bisher zu feilschen.
 
Die Leute wollen gemeinhin rascher als ihre Mitmenschen vorankommen. Das lässt sich leicht feststellen, wenn immer die Metrobahnen ihre dicht aneinander gedrängte Menschenfracht sozusagen ausspucken. Die Zweibeiner springen zum Ausgang. Ich meine, dass nach einem Arbeitstag eine solche Hetze zum Feierabend nur zusätzlichen Stress einbringt.
 
Zu den Störfaktoren zähle ich auch das laute und weitgehend belanglose Geplauder übers Handy. Der Mangel an Rücksicht dringt in die Ohren.
 
Immer wieder stelle ich fest, dass sich Leute aus Indien, Pakistan, Thailand und Japan durchwegs anständig, sogar zuvorkommend, benehmen. Am 14.04.2013 wurde das Neujahr beim grössten und wohl auch schönsten Thai-Tempel in Europa gefeiert. Aus allen Richtungen strömten – bar jeder Hast – die Leute herbei. Sie plaudern miteinander, lächeln viel und begrüssen einander mit gefalteten Händen. Ich erschien mit einer Kartonschachtel unterm Arm. Es hat rund 20 Stände, die thailändische Kost anbieten. Ich reihe mich in die Warteschlange und geniesse dabei schnuppernd die den Appetit fördernden Düfte aus den Kochkisten. Innert 20 Minuten wurde ich bedient: Für Lily war es ein „Green Curry" mit Huhn und Reis, für mich Nudeln mit allerlei Meeresfrüchten. Einige „Spring Rolls“ (Frühlingsrollen) verzehrten wir als Vorspeise.
 
Der Weg ins Haus zurück war kurz, gleich um die Ecke. Die Mahlzeit brauchte nicht einmal aufgewärmt zu werden. Das Küchenfenster war offen und liess die Klänge exotischer Musik ins Haus strömen.
 
Niemand ist dort auf Extrawürste angewiesen. Das ist vorbildlich. Solche Beispiele sollten Schule machen. Der sture Eigennutz müsste gestutzt werden.
 
 
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