Textatelier
BLOG vom: 08.07.2015

Füchse und ihre Welpen im besten Flegelalter

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


In unserem Garten in Wimbledon haben 3 Welpen ihr Flegelalter erreicht. Sie tollen, wie sich die Nacht senkt, im Garten umher. Seit Jahren schon hausen diese Immigranten ohne Bürgerrecht in unserem Garten. Anfänglich liess ich sie gewähren. Sie logieren unterhalb des Schuppens.

Zunehmend verärgert mit ihrem nächtlichen Treiben, bin ich genötigt, die von ihnen eingeschleppten und zerfetzten Plastiktaschen und Essensreste zu entsorgen. Sie haben es auch auf die Blumentöpfe abgesehen. Wohl auf Schneckenfang erpicht, puddeln sie die Erde aus den Töpfen. Ihr Nachlass sind die traurigen Überreste von Zierpflanzen und Kräuter, liebevoll von mir gehegt und gepflegt.

Übers Wochenende gehe ich spät schlafen. Ich geniesse diese stillen Stunden und hänge meinen Gedanken nach. Ihr heiseres Gebell direkt unterm Fenster unseres Wohnzimmers verjagte die Stille, und meine Gedanken entgleisten. Ich ergriff meine kleine Taschenlampe und richtete das grelle Licht aus dem Fenster in die Tiefe. Das wirkte: das Gebell legte sich augenblicklich.

Ich entschloss, diese Fuchsfamilie aus meinem Garten zu bannen. Mit Backsteinen versperrte ich ihren Unterschlupf unterm Schuppen. Dieser Versuch scheiterte. Es gelang ihnen, die Backsteine zu verschieben … Erst nachdem ich die Mauer zusätzlich mit Stecken abgesichert hatte, gelang es mir, die Füchse zu überlisten.

Meine Frau hatte Angst, dass ein aufgescheuchter Fuchs, gross oder klein, sie in die Waden beissen oder durch die offene Haustüre einschleichen könnte. Hin und wieder musste ich an der verschlossenen Türe klopfen.

“Ich bin keine Fuchs“, versicherte ich ihr, ehe sie aufschloss.


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