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BLOG vom 17.09.2015


Die Banausen: Gleich zu gleich gesellt sich gern

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


Den Banausen fehlt das Verständnis für geistige und künstlerische Belange. Engstirnig wie sie sind, machen sie sich breit im Leben. Sie benehmen sich plump und jovial. Gerne klopfen sie spiessig ihresgleichen auf die Schultern. Somit gehören sie der populären Gattung der Spiessbürger zugeordnet. Man begegnet ihnen in allen Gesellschaftsschichten.

Andersdenkende können sie tolerieren oder ihnen aus dem Weg gehen. Aber Banausen tolerieren keine anders gewickelten Leute und pochen beständig mit Nachdruck auf ihr Stimmrecht, denn sie sind in der Mehrzahl. Starrsinnig beharren sie auf ihren Meinungen, wer immer ihnen widerspricht.

Die Banausen lassen sich in Gruppen untergliedern. Seien hier einige erwähnt:

Banausen im Nationaldünkel behaftet. Andere Länder und andere Sitten anerkennen sie nicht. Verlassen sie ihre heimatliche Grenze als Massentouristen, verlautbaren sie sich in ihrer Muttersprache abfällig über alles, was von ihren eingefleischten Gewohnheiten abweicht. Ihre Fremdsprachenkenntnisse sind bestenfalls rudimentär. Jugendliche Banausen randalieren in Saufbanden in südlichen Ländern. Desgleichen die Fussballfanatiker im fremden Terrain. Verliert ihre Nationalmannschaft, ersäufen sie ihre Enttäuschung; hat sie gewonnen, grölen sie stockbesoffen.

Banausen als “Vereinsmeier” in politischen Parteien. Vorsicht: hier muss man jene ausscheiden, die aus innerer Überzeugung einer Partei beitreten und nicht als Mitläufer blindlings einer Partei folgen, vom Herdeninstinkt getrieben. Eine weitere Beschreibung erübrigt sich.

Die Banausen als Modeaffen. Die Werbung zielt auf sie ab und erbeutet die Modeaffen. Frauen sind besonders anfällig. In diesem Schwesterbund wird wacker gekauft, was immer die gegenwärtige Mode vorschreibt, von Schuhen aufwärts bis zur Frisur. Viele gleichen einander wie ein Ei dem andern. Die Herren ersetzen ihre Autos beinahe jährlich. Sie wollen ihren Nachbarn nicht nachstehen. Zurzeit sind die Strassen in London mit Velofahrern überflutet. Alte Fahrräder genügen ihnen nicht mehr. Teure Rennvelos müssen es sein. Sie beherrschen damit die Strassen. Sie missachten die Verkehrsregeln. Die Fussgänger und Automobilisten müssen ihnen ausweichen.

Warum so bissig kommentieren? Man kann sie doch links liegen lassen. Manchmal ist es amüsant, sie zu beobachten. Banausen liefern Stoff zu Kurzgeschichten.

 

 


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