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BLOG vom 01.03.2016


Ei! Ei! Ei!: Den Hühnern das Schwimmen & Fliegen beibringen

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London

 


 

De Fries galt als Sonderling, was ihn nicht anfocht. Als unabhängiger Junggeselle mittleren Alters hatte er von seinen Eltern ein Landgut geerbt. Dort hielt er ein Freigehege für Legehennen und Hähne. Das Studium der Hühner aller Rassen, inbegriffen Wildhühner und Perlhühner, ist seine Passion. Seine vertieften Kenntnisse des Hühnervolkes sprach sich herum. Anfragen beantwortete er, doch empfing er nur wenige Besucher, ausser Fachspezialisten.

Es war ihm ein besonderes Anliegen, das domestizierte Haushuhn wieder zu ihrem Urstadium vor 7,000 und 10,000 Jahren zu verhelfen. Unweit seines Hauses hatte er einen seichten Teich geschaffen. Wagemutige Hühner konnten dort gefahrlos zwischen dem Schlamm nach Nahrung scharren. Das entsprach der Natur der Hühner als Allesfresser.

Es versteht sich, dass er aus den Eiern Küken züchtete. Im Umkreis seines Landguts belieferte er einige zuverlässige Händler mit seinen Küken, für Liebhaber und Züchter vorbehalten. Das sicherte ihm ein Einkommen für seine eigene Hühnerhaltung.

Als Naturliebhaber beobachtete De Fries das Gebaren seiner Vögel und notierte seine Beobachtungen minutiös in seiner Kladde, woraus er seine Erkenntnisse zog. Hier seien einige Resultate seiner Forschung preisgegeben:

Unter menschlicher Obhut, vielmehr Missbrauch, sind die Hennen und Hähne weltweit bloss als Fleischlieferant geschätzt und werden zu “chicken tikka marsala, Kentucky fried chicken, chicken wings usw.” verarbeitet. Nur langsam werden diese Fleischlieferanten aus ihrem Elend in engen Käfigen und Hallen befreit. Auf dem Fliessband werden sie geköpft und alsdann in Portionen tranchiert. In diesem Prozess kommt das Fleisch mit dubiosen Antibiotika-Zutaten gestopft in den Handel.

Naturbelassen sind diese Vögel sehr zutraulich und neugierig. Sie lassen sich wie andere Haustiere hegen und pflegen. Ihr “Kikeriki” und Gegacker sollte niemand stören. De Fries studierte das Sozialverhalten des Geflügels. Die Hühnermutter umhegt ihre Küken. Die drolligen gelben Wattenkugeln erfreuen die Kinder besonders zur Osterzeit. Jedes Huhn kann auf den Gartenhag flattern. Etliche Wildhühner können wirklich fliegen und übernachteten am liebsten im Gezweig der Bäume. De Fries stellte fest, dass sich Hühner und ihre Küken an Enten und Gänse gewöhnen. Es gelang ihm, Küken auf den Rücken von Enten und Gänse zu setzen. Das schien ihnen zu behagen: Sie gewöhnten sich dabei nach und nach ans Wasser. Leider sind Hühnerfedern nicht wasserabstossend. De Fries überbrückte dieses Problem, indem er ihre Federn mit einer Fettauflage bestrich. So gerüstet liess er sie im tieferen Teil des Teiches schwimmen. Dort wateten sie gar vergnügt und bereicherten ihren Speisezettel mit Wasserpflanzen und schleimigen Schnecken. Jahre verstrichen, doch De Fries' Geduld und Ausdauer lohnten sich: Die Hühner gewannen wasserdichte Federn, besonders bei den Abkömmlingen von Wildhühnern. Der Erfolg blieb nicht aus. Das Huhn und der Hahn wurden endlich als Ziervögel anerkannt und zierten mehr und mehr Teiche und Gartenlandschaften landauf, landab. Die Massenmast der Hühner wurde verpönt. Die Konsumenten bevorzugten gesundes und schmackhaftes Hühnerfleisch und Eier aus artgerechter Hühnerhaltung und Nachzucht von Biobauern. Ei! Ei! Ei!

 


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