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BLOG vom 02.09.2017


Ein Käuzlein klein …

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London


Spätabends kehrten wir heim. Es war dunkel und still um diese Zeit in Wimbledon. Nein, nicht ganz: Ein Käuzlein wiederholte fortwährend seinen monoton abgehackten Ruf, laut und klar. Als Nachtvogel ist er unsichtbar und hockt wohl am liebsten in einer Baumhöhle, bereit zur Mäusejagd, flink und wendig wie er ist.

Käuze sind weitaus besser als ihr Ruf als “Totenvogel”. Für mich sind sie das Sinnbild der Weisheit, als Angehörige der Eulenfamilie.

Viel kleiner als Eulen und Uhu, haben sie einen gedrungenen Körper und werden dieses Jahr in Bayern als Vogel des Jahres gefeiert.

*

Kauz auf den Mensch bezogen

In unserer Einheitswelt sind Käuze (Eigenbrötler) selten geworden. In Dickens' Werken leben viele von ihnen auf, und ihre Eigenarten ergötzen mich. Es wimmelt von ihnen in seiner Novelle “Pickwick Papers”.

In meinen Kurzgeschichten habe ich ihnen immer wieder Lebensraum geschaffen. Ich selbst bin ein verkappter Kauz. So möchte ich hier ins Thema einsteigen und feststellen, wo und wie sie auftauchen.

Der vergessliche Professor ist ein Glanzbeispiel, wie er tief in seine Gedanken vertieft, im Selbstgespräch verstrickt, spaziert. Sein skurriles Verhalten wird belächelt. Seine Vorlesungen hingegen werden bewundert.

Geniale Kunstschaffende sind allgemein ein bisschen verrückt. Ein hervorstechendes Beispiel ist Salvador Dalí. Sein gezwirbelter Schnauz ist sein veräusserlichtes Kennzeichen.

Der Treibstoff, der Eigenarten fördert, ist eine unersättliche Neugier, die u.a. Freidenkern wie Virginia Woolf, Novelistin und Feministin, eigen war. Neugier treibt die Kreativität an, kann gefolgert werden. Sie ist verinnerlichtes Wissen, als Zustrom zu intellektuellen und künstlerischen Leistungen.

Ein Sprutz kauziges Verhalten ölt obendrein das geistige Getriebe. Leider fühlen sich zu viele begabte Menschen gezwungen, sich in die schale Einheitswelt einzufügen. Warum eine Schablone sein? Das geht gegen den Strich der Individualität.

 


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