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BLOG vom 24.02.2018


Abgastest mit Affen – Affen als Kirschenpflücker

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Als wir alle die Nachricht von den Affenversuchen mit Autoabgasen hörten, dachten viele an einen Witz. Eine Lobby-Gruppe deutscher Autobauer hat eine Studie in einem Forschungslabor in Albuquerque (USA) in Auftrag gegeben. Die 10 Affen wurden 4 Stunden lang in Räumen mit Auspuffgasen ausgesetzt. Die Experimentatoren verwendeten einen VW Beetle, der mit manipulierter Abgastechnik ausgestattet war. Die Autobauer wollten damit beweisen, dass die Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen habe. Wie die „New York Times“ berichtete, wusste der Studienleiter Jake McDonalds nichts von einer Software zur Abgasmanipulation.

Die Autobauer waren angeblich ahnungslos. Sie gaben dies kund: „Daimler unterstützt und toleriert keine unethische Behandlung von Tieren und distanziert sich von der Studie“. BMW äusserte sich in einem Statement ähnlich.  VW teilte mit, die Kritik an der Studie sehr ernst zu nehmen.

Versuche an Menschen
Die Wirkung von Stickstoffdioxid (NO2) auf den menschlichen Körper wurde an der Uni Aachen durchgeführt (die Förderung erfolgte von einer Forschungsvereinigung deutscher Autobauer). 25 Probanden (hauptsächlich Studenten) mussten sich in einem rund 40 Quadratmeter großen Raum 3 Stunden dem Gas aussetzen. Mediziner überprüften Lungenfunktion und Blutwerte der Probanden. Es wurden keine „beträchtlichen akuten Negativwirkungen“ ermittelt.

Sind solche Studien ethisch vertretbar? Solche Studien müssen von der Ethikkommission genehmigt werden. Ein Sprecher des Uni-Klinikums war der Ansicht, dass die Probanden einem Stoff unterhalb des Grenzwertes ausgesetzt waren. Das seien Werte, wie sie ein Lkw-Fahrer oder ein Busfahrer jeden Tag erlebe.

Die Gifte, die diese Fahrer täglich einatmen, summieren sich. Ich bin überzeugt, dass trotz Beruhigung so mancher Mediziner Langzeitschäden auftreten können. Dazu eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA). Etwa 6000 Menschen sterben pro Jahr vorzeitig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die von Stickoxiden ausgelöst werden. Dpa dazu: „Der erlaubte Jahresmittel-Grenzwert der EU liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Laut Report Mainz zeigt die Studie, dass bereits eine längere Stickstoffdioxid-Konzentration ab 10 Mikrogramm zu Erkrankungen und vorzeitigen Todesfällen führen kann.“

Weitere Versuche mit Affen
Zurück zu den Affen. „Toxikologische Versuche mit Affen sind leider gängig, auch in Deutschland“, sagte Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzten gegen Tierversuche. 2016 wurden laut Statistik des Landwirtschaftsministeriums in Deutschland 1789 Affen für Versuche mit giftigen Substanzen genutzt worden.

Es folgen einige scharfe Kommentare in den Leserbriefen der „Badischen Zeitung“. Prof. Dr. F. Daschner, Freiburg schrieb u.a.:

„Die Affenversuche sind indiskutabel, VW sollte sich in Grund und Boden schämen. Ich glaube nicht, dass die VW-Manager ihre eigenen Hunde dafür zur Verfügung gestellt hätten.“ Ferner betonte der Schreiber, dass die Aachener Forscher genau das getan haben, um mögliche Schäden von Autogasen oder deren Bestandteile festzustellen.

„Junge, gesunde, nicht schwangere, gut versicherte, freiwillige Versuchspersonen wurden unter kontrollierten und ständig ärztlich überwachten Bedingungen einem Schadstoff ausgesetzt und ihre Reaktion gemessen. Unglücklicherweise wurden die Affenversuche und die Aachener Untersuchungen meist in einem Atemzug diskutiert und abgeurteilt. Künftig werden sich viele Forscher dreimal überlegen, ob sie Expositionsversuche machen, obwohl sie dringend notwendig sind, um festzustellen, welche Autoabgase in welchen Konzentrationen zu welchen Erkrankungen führen können.“

Joachim Schäfer, Staufen schrieb: „Ist diesen scheinheilig bemühten Betrügern eigentlich klar, dass seit vielen Jahren ungefragt Millionen von Menschen mit den Produkten ihrer gefälschten Abgasreinigung, beatmet' werden? Zu dieser Unverfrorenheit hat man noch nie eine Entschuldigung oder gar tätige Reue vernommen!“

In meinem Archiv entdeckte ich Affenversuche der anderen Art. Da sieht man, welche absonderlichen Ideen schon damals kursierten. Ich möchte jedoch nicht die Intelligenz der Affen in Frage stellen.

Affen als Kirschenpflücker
Werner Kollath zitiert in seinem Buch „Zivilisationsbedingte Krankheiten und Todesursachen“ die „Badische Zeitung“ vom 21./22. Januar 1956. Unter der Schlagzeile „Affen für England“ berichtet das Blatt Folgendes:

„Nach zweijährigen Experimenten in Singapore sollen für den nächsten Sommer 300 dressierte Affen zum Kirschenpflücken nach Südengland geschickt werden. Die Fachleute in Singapore behaupten, es habe sich gezeigt, dass Affen erstklassige landwirtschaftliche Arbeiter seien. Vor allem auf das Pflücken von Kirschen verstünden sie sich so gut, dass sie diese Arbeit schneller und sauberer als Menschen ausführen. Die britischen Gewerkschaften haben gegen den Affen-Import Einspruch erhoben.“

1955 schlug übrigens der englische Nobelpreisträger Sir George Thomson vor, Affen als Fabrikarbeiter am laufenden Band abzurichten und als Landarbeiter einzusetzen.

Kommentar: Die Idee mit Affen hat sich nicht durchgesetzt. In deutschen Landen braucht man keine Affen. Die Arbeit des mühevollen Kirschenpflückens wird heute von Einheimischen und Arbeitern aus Polen und Rumänien erledigt. Auch an Fabrikbändern sah und sieht man bis heute keine Affen. Wohl deshalb, weil es dann noch mehr Arbeitslose geben würde. Kollath kommentierte diesen „Wahnsinn“ wie folgt: „Tiefer geht es kaum mit den technischen Phantasien.“

 


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