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BLOG vom 16.07.2018


Brennnessel: «Brennendes Feuer für die Gesundheit»

Autor: Bruno Vonarburg, Naturarzt, Teufen (Schweiz)

 


Brennnessel
 

Befassen wir uns als erstes mit der Brennnessel, einer der häufigsten Pflanze unseres Breitengrades. Seltsam und geradezu richtungweisend ist, dass jene Heilpflanzen, die in unserer heimischen Landschaft massenhaft vorkommen, auch die häufig indizierten Kräuter für die auftretenden Leiden der ansässigen Bevölkerung sind, so z.B. in Nordeuropa die Brennnessel, der Schachtelhalm, der Storchenschnabel, der Holunder, die Engelwurz, der Frauenmantel und die Esche. Ihr weit verbreitetes Auftreten signalisiert ihren spezifischen Einsatz für die zahlreichsten Beschwerden der gebürtigen Bewohner.

Unter diesen Heilpflanzen hat die Grosse Brennnessel ihren grössten Bekanntheitsgrad. Obwohl sie als „Aschenputtel der Kräuter“ oft aus Unwissenheit hemmungslos bekämpft wird, hat sie in der Phytotherapie ihren festen Platz. Botanisch gesehen handelt es sich bei Urtica dioica L. um eine zweihäusige Pflanze (dioica = zweihäusig). Zweihäusig heisst: Die Staubblüten und Fruchtknoten befinden sich in zwei verschiedenen Häusern, also getrennt auf weiblichen und männlichen Pflanzen.

Die Blütenrispen männlicher Brennnesseln stehen waagrecht, während die weiblichen vom Stängel herabhängen. Die männlichen Blüten als winzig kleine vierstrahlige Sterne öffnen sich bei Reife und Wärme ruckartig und pusten dabei richtige Staubwolken in die Luft. Bis zu 30'000 Pollen können zur Blütezeit (Mai bis September) an einem einzigen Tag als Wolke in die Luft geschleudert werden. Dieser Mechanismus dient zur Windbestäubung der weiblichen Geschwister, die in unmittelbarer Nähe aufnahmebereit stehen. Nach der Befruchtung reifen winzige, flach ovale, sandgraue Nüsschen.

Brennhaare
Gegen die Brennnessel haben viele eine verständliche Abneigung, denn sie sticht, beisst und brennt fürchterlich bei der Berührung – ein sehr unangenehmer Händedruck. Ein Pelz feinster Härchen überzieht die vierkantigen Stängel und herzförmigen, gezähnten Blättert. Die Brennhaare sind mikroskopisch kleine, perfekt konstruierte Giftspritzen mit kieselsäurehaltigen, unbiegsamen Zellwänden. Bei geringstem Kontakt bricht das endständige Köpfchen ab, und die scharfe Bruchstelle bohrt sich wie eine Kanüle einer Injektionsnadel in die Haut hinein, zugleich wird augenblicklich ein ätzender Stoff aus Acetylcholin, Histamin, Serotonin und Spuren von Ameisen-, Essig- und Buttersäure eingespritzt.
Dieses Nesselgift ist eine äusserst wirksame Substanz. Bereits ein zehnmillionstel Gramm reicht aus, um an der perforierten Stelle einen brennenden Juckreiz samt anschwellenden Quaddeln zu erzeugen. Diese Brennwirkung ist vor und während der Blütezeit am aggressivsten.

Obwohl niemand freiwillig auf dieser brennenden und giftspritzenden Pflanze eine Wohnung bauen möchte, gibt es Lebewesen, die sich auf der Nessel ausgesprochen wohl fühlen. Über 70 Insektenarten leben von der Brennnessel, einige davon könnten ohne sie gar nicht existieren. Für die Raupen mancher attraktiver Schmetterling ist die Brennnessel eine lebenswichtige Futterpflanze, z.B. für den Kleinen Fuchs, das Tagpfauenauge, den Admiral, die Silbergraue Nessel-Höckereule und den Landkärtchenfalter,

Heilpflanze
Alt bekannt ist die Brennnessel als Heilpflanze, die bereits schon in der Antike gerühmt und gelobt wurde. Anhand von jahrtausendalten Erfahrungen und neuzeitlichen wissenschaftlichen Erforschungen werden folgende Rezepte angepriesen.

Die Blätter zur Grundbehandlung sowie primärer Entgiftung bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, Gelenksentzündungen, Arthrose, ebenso bei Ischias, Hexenschuss und Nervenentzündung. Sie fördern die Ausscheidung von harnpflichtigen Stoffen und, aktivieren die Enzymbildung der Pankreas, Magen, Darm und Leber.

Ausserdem sind sie blutbildend: Das Blattgrün wird gerne mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin verglichen, wobei die chemische Struktur des Chlorophylls dem Hämoglobin sehr ähnlich ist. Unterschied ist lediglich das Eisen beim Hämoglobin und das Magnesium beim Chlorophyll.

Zu beachten ist, dass das Brennnessel-Chlorophyll samt ihrem hohen Eisengehalt auf die Blutbildung und Bluterfrischung (verbessert die Blutsubtilität) einen hohen therapeutischen Wert bei hypochromer Anämie besitzt. Das Eisen ermöglicht ferner die Bindung des Sauerstoffs in Blut, - ausserdem verbessert der hohe Chlorophyllgehalt die Aufnahmefähigkeit von Lichtenergie im menschlichen Körper, wie selbst auch in der Pflanze für die sogenannte Photosynthese, - diese Fähigkeit wird oft zu wenig Rechnung getragen.
 
Entsprechend weckt Brennnessel die Lebenskraft bei Frühjahrsmüdigkeit, Antriebsschwäche, Energieverlust und Leistungsabfall.
Der englische Heilkräuterkundige Nichola Culpeper (1616-1654) schrieb: „Da die Nesseln wärmend und trocken sind, werden Nesselspitzen im Frühling von Leuten gegessen, bei denen überflüssiges Phlegma nach Kälte und Feuchtigkeit des Winters zurückgeblieben ist.“

Hervorragend wirkt die Brennnessel mit ihrer Lichtwirkung belebend auf die angeschlagene Vitalität älterer Menschen, denen der Alltag infolge Harnsäureverschlackung, mangelnder Entgiftung und Schadstoffbelastung zur Last geworden ist und dabei Schwierigkeiten haben, ihren Lebensabend zu geniessen – es fehlt ihnen der Kick und das „Feuer im Ofen“.

Die Blüten und Samen dagegen aktivieren die organische Gelbkörperproduktion und fördern somit die Fruchtbarkeit und das Liebesverlangen bei niedergedrückter Potenz.

Ausserdem wirken die gelben Blüten-Farbstoffe als Sonnenschutz. So wie sich die Ringelblume mit hohem Gehalt an Flavonoiden durchs ganze Jahr vor negativen Einflüssen der hohen Sonneneinstrahlung schützt, kann die Brennnesselblüte unseren Organismus vor zu starken Strahlen bewahren, nicht nur vor der Sonne, sondern auch vor medizinisch-technischen Bestrahlungen.

Die Wurzeln enthalten Phytosterole, womit die Restharnmenge bei Vergrösserung der Vorsteherdrüse mit Miktionsbeschwerden, Harnträufeln, häufigem Wasserlassen, nächtlicher Harndrang Bettnässen und Haarausfall verringert werden kann.
 
Gleiches mit Gleichem behandeln
Der homöopathische Lehrsatz Gleiches mit Gleichen zu behandeln“ bezieht sich auch auf die Verwendung der Brennnessel in der Phytotherapie. So wie die Brennnessel bei Berührung ein brennend juckendes, rötendes und anschwellendes Exanthem hervorrufen kann, ist sie als Arznei bei Hautausschlag, Dermatitis, Furunkeln, Allergien, Insektenstichen und Verbrennungen indiziert. Sie hilft die Schmerzen zu lindern, die überschüssigen Hautreaktionen zu besänftigen, die feurigen Entzündungen und die aufgeschwollenen Oedeme abzubauen und die rasche Heilung mit unkomplizierter Narbenbildung zu fördern. (alternativ – wilde Bergamotte – Monarde und Odermennig)

Eine bestechende Pflanzen-Signatur
Die Brennnessel gedeiht auf Böden, die mit Nitraten und Harnsäurestoffen verunreinigt und angereichert sind. Analog ist sie imstande, stickstoffhaltige Abbauprodukte im menschlichen Organismus zu Proteinen umzuwandeln und aus dem Körper zu entfernen. Dadurch führt sie zur Reinigung des Terrains bei vielseitigen Erkrankungen, insbesondere zur kausalen Behandlung bei gichtartigen Ablagerungen, Ekzemen, Hautausschlägen mit Pusteln, Jucken und Rötung.

Innerhalb weniger Stunden kommt es beim Gebrauch der Brennnessel (insbesondere der Trifloris-Essenz) zu einer vermehrten Ausscheidung eines rötlich gefärbten Urins, womit gleichzeitig die aufgetretenen Beschwerden langsam verschwinden.
Diese umstimmende Grundbehandlung mit Urtica dioica ist auch bei Autoimmunerkrankungen und immer häufiger auftretenden Allergien aller Art zu empfehlen, insbesondere bei den hervorstechenden Merkmalen mit: Brennen, Stechen, Jucken, Rötung, Schwellung

In ihrem Wesen ist Reinigung, Entschlackung, Entgiftung – wächst sie doch auf jedem Misthaufen und ist befähigt allen Mist aus dem Körper zu führen. Sie entschlackt das Alte, Angestaute, Verbrauchte, Überfällige, Abgestandene, Entkräftende, Belastende und schafft Raum für neue vitale Kräfte.

Dies aber nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelisch-geistigen Bereich. D.h. Schlacken, die sich durch mangelnde Pflege der Innenwelt angesammelt haben und zur Aggressivität, Unbeherrschbarkeit, psychischem Brennen und Stechen mit innerer Giftigkeit Anlass geben, verleiht die Brennnessel die Kraft, das Vergiftete, Versäuerte und Verfaulte zu entschlacken. Bei keiner anderen Pflanze ist die innere physische und psychische Reinigung treffender als bei der Brennnessel.

Eine ganz andere Signatur: Man sagt, wenn man sich von der Brennnessel stechen lässt, dass danach die Haut viel feinfühliger wird. Vielleicht ist dies auch eine Anzeige für Menschen, deren Psyche infolge ständiger Sticheleien taub und gefühllos geworden ist.

Aggression
Charakteristisch ist die leidenschaftliche Energie, die in der Brennnessel steckt. Die Pflanze mit ihrer Lebenshaltung „Komm mir bloss nicht zu nahe“, ist ein richtiger Giftzahn. Sie sticht förmlich mit brennendem Feuer, wenn man sich ihr nähert. Sie bezieht sich auf cholerische, aufbrausende, stechende, brennende, grantig gestimmt Menschen mit wehrhaftem, feurig rötendem, aufschwellendem Temperament, voller Aktivität und Aggressivität.

Doch die Aggression ist nicht mit Negativität gepaart. Wir sollten diese Charaktere nicht als verwerflich, anstössig, gemein, niederträchtig bewerten, vielmehr als eine Verlagerung des Gemüts, anhand der massiv ansteigenden Überforderung im persönlichen Umfeld. Es ist ein Abwehr- oder Schutzmechanismus, dem heutzutage viele Zeitgenossen ausgesetzt sind, um die ununterbrochenen, nervenaufreibenden Beeinflussungen des Alltags verarbeiten zu können. Die Betroffenen möchten weder dominiert noch manipuliert werden, weshalb sie sich mit einer gewissen Gegenwehr oder einem reflektierenden Widerstand schützen und mit einer oppositionellen Einstellung nach Rücksicht und Respekt begehren. So entspricht die Aggression einer Überforderung, die nach Besänftigung, nach Entgiftung, Entschlackung und Ausbalancierung verlangt.

Nicht umsonst empfiehlt Dr. Bach die Brenneselblüte zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen, zur Entgiftung seelischer Schlacken bei Rivalitäten, familiären Sticheleien, polemischen Disputen, „brennenden Konflikten, zerbrochenen sozialen Verhältnissen und provozierenden, feindschaftlichen Kontroversen.

Mit diesem Charakter offenbart sich die Brennnessel als vielseitig verwendbares, pflanzliches Konstitutionsmittel, das mit seinen analogen Merkmalen zum Menschen in der heutigen Naturheilpraxis mit Erfolg verordnet werden kann. Wichtig ist dabei, auf die Wesensmerkmale der Pflanze und des Kranken zu achten: Die innere und äussere Verschlackung und die angestauten, oft explodierenden körperlichen und seelischen Reaktionen.

Betrachten wir die Brennnessel aus dieser Sichtweise, werden wir sie als Heilpflanze für Indikationen verwenden, die in keinem Lehrbuch stehen.

Literatur
Vonarburg, Bruno: «Natürlich gesund mit Heilpflanzen», AT Verlag, Aarau 1993.
Vonarburg, Bruno: «Energetisierte Heilpflanzen», At Verlag, Aarau und München 2010.
Vonarburg, Bruno: «Heilen mit Pflanzenessenzen», At Verlag Aarau und München 2017.

 


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