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BLOG vom 12.10.2018


Südtirol 4: Wildsee, im Kloster und ein Pferdefant

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Pragser Wildsee
 

Am 5. Tag unserer Wanderwoche fuhr uns Toni zum Pragser Wildsee. Diesen nahmen wir schon vor 6 Jahren in Augenschein und waren begeistert. Der See soll durch eine urgewaltige Katastrophe entstanden sein. Riesige Felsblöcke stürzten von den Bergen herunter und versperrten den Weg zum Tal hin. Im Laufe der Zeit staute sich das Wasser. Es entstand ein sogenannter Verdämmungssee, der keinen sichtbaren Abfluss hat. Das Wasser fliesst etwa 36 m unterirdisch ab und tritt im Tal unten wieder hervor.

Wir wählten den Wanderweg, der links vom „Hotel Pragser Wildsee“ ausgeht, und erreichten bald darauf das Holzhäuschen des Bootsverleihs. Hier hatten wir den ersten fantastischen Blick über den türkisgrünen See, in dessen Wasser sich der Seekofel (2810 m) spiegelte. Fast 1000 Meter hoch ist die Nordwand des Bergkolosses. Den Berg kann man besteigen, man braucht aber dazu 4 mühsame Stunden. Das wollten wir an diesem Tag nicht. Wir wählten den meist bequemen Pfad rund um den See. Für die Wanderung benötigten wir 1,5 Stunden.
Ein amüsantes Erlebnis hatten wir nach dem Bootsverleih. Wir sahen einige Besitzer mit ihren Hunden auf dem Weg und einige Vierbeiner plantschten sogar im kalten Wasser. Als eine ältere Frau die Hunde sah, sagte sie zu ihrer Begleiterin: „Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, bekommt man keinen Hund mehr.“ Als Kanu-Heinz dies hörte, sagte er: „Dann muss man halt selber bellen.“

An diesem Tag waren sehr viele Leute unterwegs. An einer Stelle posierte eine junge Frau am Ufer des Sees, während ihre Freundin sie fotografierte. An einer anderen Stelle war ein älterer Mann mit Tai-Chi-Übungen beschäftigt, während ein anderer am Ufer angelte. Eine junge Frau wagte etwas, sie stieg auf einen riesigen Felsbrocken am Ufer und posierte mit ausgebreiteten Armen. Ihr Freund und auch ich fotografierten sie.
Wir wollten noch zur Grünwaldalm hinaufsteigen. Leider hatte die Hütte dort oben geschlossen.
Toni hatte jedoch eine Idee. Er fuhr uns nach Sankt Magdalena, wo wir vor 6 Jahren in einer Pension nächtigten. Wir kehrten dort in einer guten Wirtschaft ein. 3 aus unserer Gruppe verzehrten Kaiserschmarrn mit Preiselbeeren, während Claus die Tiroler Schlupfkrapfen ass.
Danach fuhren wir in das schöne Städchen Innichen. Dort besichtigen wir 2 Kirchen.

 


Pferdefant von Brixen
 

Der Pferdefant in Brixen (Bressanone)
Am letzten Tag unserer Wanderwoche (6. Tag) war keine Wanderung geplant. Wir besuchten Brixen und das Kloster Neustift. Es waren Orte, die wir auch vor 6 Jahren aufsuchten. Hier einige Auszüge von damals und neue Eindrücke.

Brixen ist die älteste Stadt Südtirols und hat viele Kunstschätze zu bieten. Man kann das wunderbare Ambiente der historischen Stadt geniessen. Sehr schön sind die malerischen Fassaden der Häuser. Unter den heimeligen Lauben sind Restaurants, Weinstuben und Ladengewölbe verborgen. Der Rundgang durch die Altstadt von Brixen ist nicht beschwerlich, da alles auf einem Geviert von 400 m Seitenlänge zu erreichen ist.  

Besonders beeindruckend fand ich den Dom Maria Himmelfahrt. Es ist ein barocker Neubau, der von 1745−1754 erbaut worden ist. Sehr zu empfehlen ist die Besichtigung des Kreuzgangs. Der frei zugängliche Kreuzgang ist ein grossartiges Bauwerk der Romantik mit Gewölben des 14. Jahrhunderts. An den Decken und Wänden sind herrliche gotische Fresken zu sehen. Der Domkreuzgang wird zu Recht als das grösste Denkmal alpenländischer Wandmalerei bezeichnet. Von den 20 Arkaden sind 15 bemalt. Unter den unbemalten Arkaden boten früher Händler ihre Waren feil.

Eine Besonderheit ist der Pferdefant in der 3. Arkade im Kreuzgang. Man muss jedoch sein Hälschen strecken, um diesen zu betrachten. Der Schöpfer dieses Tieres war Meister Leonhard von Brixen. Da der Maler von Madonnen und Heiligen selbst nie einen Dickhäuter gesehen hatte, malte er um 1470 den Elefanten nach dem Hörensagen. Er malte ein sonderbares Tier, das einem Pferd ähnelte. Das „Pferd“ hat jedoch lappenähnliche Ohren und einen Rüssel. Der Maler pinselte dann noch einige Hautfalten statt der Mähne in seinen Pferdefant. Auf dem Rücken des Pferdefants befindet sich ein Tragegestell, in dem 4 Soldaten mit Lanzen bewaffnet herausschauen. Zwischen den Beinen des Pferdefants liegt ein Besiegter.

An diesem Tag konnten wir leider nicht ein Restaurant oder Café am Domplatz aufsuchen, da dieser mit Ständen einer Ausstellung für Biks vollgestellt war. Wir suchten in der Altstadt eine Wirtschaft auf und jeder von uns verspeiste 1 Paar Weisswürste mit süssem Senf und Bretzel, dazu tranken wir ein kleines Oktoberfestbier. Das Ganze kostete 8,50 Euro.  Wie ich mir vom Chef des Restaurants sagen liess, stammten die Würste nicht aus München, sondern von einer Brixener Metzgerei. Sie wurden wahrscheinlich nach einem bayerischen Originalrezept hergestellt und schmeckten vorzüglich!

 


"Wunderbrunnen" im Kloster Neustift (Novacella)
 

Der Wunderbrunnen und die Engelsburg
Dann fuhren wir zum Augustiner-Chorherrenstift Kloster Neustift (Novazella).
In den Höfen und im Vorfeld des Klosters sind einige Sehenswürdigkeiten zu betrachten. Es gibt einen Kräutergarten, den Türkenturm, den Stiftskeller, den Wunderbrunnen und die Engelsburg. In diesem Gebäude wurden früher Pilger untergebracht. Die Benennung „Engelsburg“ entstand wegen ihrer Ähnlichkeit mit der Engelsburg in Rom.
In der Nähe der Engelsburg durchschritt ich ein Tor und was sah ich? Keine Kräuter, sondern ein grosse Anbaufläche von Weinreben. Auch an anderen Hängen um das Kloster herum sind Weingärten zu sehen. Wie ich mir sagen liess, gehören zum Kloster Wälder, Felder, Weinberge, Weingüter (auch bei Bozen sind solche Weingüter) und eine Stiftskellerei. Hier kann man sich an vielen erlesenen Weiss- und Rotweinen erlaben.
In der Mitte des Stiftshofs steht der Wunderbrunnen. Er diente früher zur Wasserversorgung des Stifts. Er wurde bereits 1508 gegraben. In den Giebelfeldern der zierlichen Pagode sind die 7 klassischen Weltwunder dargestellt. In das 8. Feld wurde ein Bild des Klosters Neustift eingesetzt.

Höhepunkt war die Besichtigung der „Stiftskirche zu Unserer Lieben Frau“. Sie wurde im 18. Jahrhundert zum schönsten spätbarocken Kirchenraum Südtirols umgestaltet. 

Das heutige Kloster Neustift (www.kloster-neustift.it) betreut 20 Pfarreien. Hier befinden sich auch das Schülerheim Neustift und das Bildungshaus Kloster Neustift. Im Bildungshaus werden viele Vorträge und Kurse angeboten.
Im „Augustinisaal“ des Klosters hielt ich 2006 2 Vorträge über gesunde Ernährung, Verkaufstricks, Einkauftipps und Risiken und Gefahren, die von Lebensmitteln ausgehen. Anlass war die Publikation meines Buches „Richtig gut einkaufen“, das Walter Hess in seinem Verlag Textatelier GmbH, CH-5023 Biberstein herausgegeben hatte und ich damals vorstellte.

Im Hof vor der Engelsburg waren diesmal viele Verkaufsstände aufgebaut. Die Veranstaltung präsentierte Handwerkskunst, Handarbeiten und weitere Produkte aus der Region. An einem Stand spielte ein älterer Mann auf einigen besonderen Instrumenten (Zitherzupfinstrument, Drehleier, Dudelsack). Er gab uns musikalische Kostproben von diesen Instrumenten. Ich fotografierte ihn und nahm einige Videosequenzen auf.

Danach fuhren wir wieder in unser Hotel Sorapiss zurück und packten unsere Koffer. Dann gab es noch in der „Pizzeria Edelweiss“ das Abschiedsessen.

Resümee und  Beurteilungen
Die Wanderwoche mit vielen schönen Wanderungen in Südtirol war super. Abenteuerlich und etwas riskant war die Drei-Zinnen-Umrundung. So mancher Leser war über unsere Begehung in der Steinwüste überrascht. So schrieb ein Leser: „Die kurze Hose und der Alleingang Deines Wanderburschen war schon etwas leichtsinnig.“
Unsere Bloggerin Ruth Merten über dieses Abenteuer: „Mal wieder eine ausdrucksstarke Beschreibung der Wandertour, obwohl so ganz ungefährlich war es nicht.“
Sie hatte noch ein Lob zum 1. Teil „Rasante Jeep-Fahrt zum Monte Piana: „Eine wunderbare Beschreibung, als wäre man selber da gewesen, die Landschaft ist traumhaft, vielen Dank für den schönen Blog.“
Auf jeden Fall waren wir alle begeistert.  Unser Wanderorganisator Toni von Lörrach hat die Touren souverän ausgearbeitet und auch den Aufenthalt im Hotel „Sorapiss“ ausgewählt. Die Unterkunft und das freundliche Personal waren dort super. Eine besondere Leistung ist dem Toni zuzuschreiben. Er fuhr uns mit seinem Auto 1060 km sicher von Lörrach über Schopfheim und Wehr nach Südtirol und zurück. In unserem Wandergebiet fuhr er nochmals 510 km. Das sind total 1570 km. Für alles danken wir Toni ganz besonders.

 

Internet
www.suedtirol-kompakt.com
www.suedtirol.info
www.sentres.com

 

Hinweis auf weitere Südtirol-Blogs
10.10.2018: Südtirol 3: Die Stadt aus Stein am Sellajoch
03.10.2018: Südtirol 2: Im Geröllfeld der Drei Zinnen verletzt 
30.09.2018: Südtirol 1: Rasante Jeep-Fahrt zum Monte Piana
19.07.2012: Südtirol 4: Folterkammer, Geisterstube und Bruneck-Tour 
19.07.2012: Südtirol 3: Harpfen, Messner Hütte, Pferdefant von Brixen
16.07.2012: Südtirol 2: Dolomitenseen-Perle, Terence Hill als Förster
13.07.2012: Südtirol 1: Weltberühmte Drei Zinnen in den Dolomiten
21.10.2006: Südtirol-Reise 3: Mit Heinrich Abraham im Felsenkeller
18.10.2006: Südtirol-Reise 2: Live im Radio, Schokoladen-Test im Kloster
15.10.2006: Südtirol-Reise 1: Knödel, Schlutzkrapfen und Frittatensuppe

 


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