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BLOG vom 11.09.2019


Wanderung: Kulturdenkmal, Giftpilz, Riesenbovist

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Ruine Schneeburg
 

Am 27.08.2019 unternahmen wir zu fünft eine Wanderung zum Kulturdenkmal Schneeburg nahe Ebringen. Unser Wanderführer Toni von Lörrach hatte die folgende Tour ausgeknobelt: Parkplatz oberer Kienberg (in der Nähe ist die Berghauser Kapelle von 1748) - Schönbergstrasse – Habackerweg – Stellibuckweg – Steinebodenweg zur Ruine Schneeburg. Der Rückweg war auch gut geplant: Er sollte uns von der Burgruine über den Schönberghof und über den Naturwaldpfad zum Ausgangspunkt zurück führen.

Wir fuhren an Ebringen vorbei zum Parkplatz oberer Kienberg (435 m). Dort studierten wir eine Übersichtskarte mit Wanderwegen und eine Tafel mit Hinweisen zum Naturwaldpfad Schönberg. So erfuhren wir, dass Ebringen die älteste urkundlich erwähnte Weinbaugemeinde im Markgräflerland ist (716 n. Chr.). Da die Anhöhe Schönberg (512 m) kalte Winde abhält, sind die Weinbaugebiete geschützt und die Weine hervorragend. Die ortsnahen Wälder weisen viele Pflanzen- und Tierarten auf. Sehr lobenswert ist, dass die Gemeinde heute auf rund 20 % der Fläche am Schönberg auf Holznutzung verzichtet. Auf unserer Wanderung sahen wir einige alte und abgestorbene Bäume, die Lebensraum für Tiere und Pflanzen bieten.

Interessant fand ich den Hinweis, dass man auf den Hirschkäfer achten sollte, der auf dem Naturwaldpfad zu Hause ist.

Nun ging es auf guten Wegen innert 1 Stunde zur Ruine Schneeburg. Der Aufstieg war auf dem letzten Teil zur Ruine steil und steinreich. Hier war gutes Schuhwerk angebracht.

Die Schneeburg wurde wohl vor 1312 von den Herren von Hornberg erbaut. Die Burg wurde vor 1500 verlassen. Heute sind beachtliche Mauerreste in einer Stärke von 1,50 bis 2 Meter aus tertiären Konglomeraten erhalten. 1996 wurden die Mauerreste restauriert. Hier oben hatten wir einen fantastischen Blick auf Freiburg. In Nischen mit Steinbänken konnten wir in aller Ruhe eine Rast einlegen. Walter von Steinen fotografierte die „glorreichen Vier“ (Bernd, Heinz, Manfred und Toni) am Brunnen im Hof der Ruine.

 


Am Brunnen der Schneeburg
 

In der Nähe der Burgruine konnten wir noch Informationen auf einer Tafel über die Trockenschäden an Buchen lesen. Durch die lange Trockenheit des vergangenen Jahres kam es zur Schädigung und Schwächung der Buchen auf dem Schönberg. Etliche Schadinsekten, wie Buchen-, Borkenkäfer, Buchenprachtkäfer und bestimmte Pilze, setzten den Buchen stark zu. Der Forst Baden-Württemberg warnte Wanderer vor abbrechende Kronenteilen. Die geschädigten Bäume werden in der Nähe von Wanderwegen entnommen.

Von der Schneeburg wanderten wir zum Schönbergerhof (1744 errichtet) und von dort zum Naturwaldpfad. Es ist hauptsächlich ein schmaler, romantischer und ruhiger Pfad. An einer Stelle war sogar ein fest installiertes Fernglas aufgebaut, das den Blick auf die Schneeburg freigab. Das Besondere: Das Fernglas war nicht mit Linsen ausgestattet. Es gab nur einen Durchblick in Naturgröße zur entfernten Burgruine.

 


Blick auf Freiburg
 

Es waren keine Parasole
Die Pilzfreunde waren ganz aus dem Häuschen, als sie unweit des Weges in einem Wäldchen vermeintliche Parasole entdeckten. An einer Stelle waren viele junge Pilze in einer Reihe zu sehen. Wir ernteten die Pilze, die später Toni mit nach Hause nahm. Er wollte die Pilze bruzzeln. Toni bemerkte beim Schneiden der Pilze einen fauligen Geruch. Auch hatte sich das Fleisch des Pilzes bei Verletzung leicht rötlich verfärbt. Es fehlten zudem die typischen Stielringe des Pilzes. Toni war überzeugt, dass es keine Parasole waren. Der Parasol ist nämlich ein sehr guter Speisepilz, der angenehm riecht und roh nussartig schmeckt. Toni recherchierte im Internet und fand den ähnlich aussehenden Gift-Safranschirmling. Er las dies: „Der Gift-Safranschirmling gilt als giftig. Er soll Magen-Darm-Beschwerden verursachen und kommt daher nicht als Speisepilz in Frage.“ Im Buch „200 Pilze“ fand ich den folgenden Hinweis: „Bei dem widerlichen Geschmack und Geruch wird keiner auf die Idee kommen ihn zu essen.“

Toni entsorgte daraufhin die falschen Pilze.

Hinweis für Pilzgeniesser: Es gibt den Safranschirmling (Rötender Schirmling), der essbar ist. Man muss als Pilzgeniesser immer auf der Hut sein und die richtigen Pilze sammeln. In Zukunft werden wir die Pilze vor der Zubereitung beschnuppern.

Ein Riesenbovist
Wir schlenderten auf dem Naturwaldpfad weiter. Dann entdeckte ich auf einer Wiese einen fussballgrossen weißen Pilz. So ein Monstrum habe ich noch nie gesehen. Es war ein Riesenbovist, den ich gleich fotografierte. Unweit davon wuchs ein zweites Exemplar, der etwas lädiert war.

Laut Wikipedia gehört der Pilz zu den Champignonverwandten. Er hat einen Durchmesser von 10 bis 50 cm. Es wurden sogar noch gewaltigere Exemplare mit 60 cm im Durchmesser und einem Gewicht von 11,5 kg gemeldet. Reifere Riesenboviste riechen unangenehm harnartig. Junge, im Anschnitt noch weisse Exemplare sind essbar. Sie können in Scheiben geschnitten wie Schnitzel zubereitet werden.

Riesenboviste enthalten das Antikrebsmittel Calvacin (Forschungen stammen von chinesischen Medizinern, die Heilpilze auf ihre Wirkung hin untersuchten).

Roh verzehrt sind Riesenboviste für Säugetiere toxisch.

Während des Rückweges zum Parkplatz wollte ich unbedingt das „Insekt des Jahres 2012“, den Hirschkäfer, aufspüren. Ich entdeckte jedoch den grossen und auffälligen Käfer leider nicht.

Die 2,5-stündige Wanderung war wieder sehr abwechslungsreich und interessant. Leider fanden wir keine echten Parasole. Die richtigen wohlriechenden Parasole werden wir bald wo anders aufstöbern.

 

Internet
https://de.wikipedia.org/wiki/Gift-Safranschirmling
www.ebringen.de
https://mykosan.com/de/heilpilze-und-krebs-forschung/

 


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