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BLOG vom: 22.03.2022

Ein Speisepilz, der auch Bäume zerstört

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Hallimasch (Foto Elisabeth Faber)
 

Pilzfreunde sind ganz verrückt nach Speisepilzen, die entweder sehr gut, gut oder auch mässig gut sind. Darunter befindet sich auch der als gut eingestufte Speisepilz Hallimasch (Heckenschwamm, Honigpilz, Stubbeling). Wohl nicht alle wissen, dass dieser Pilz wichtig ist, um totes Holz abzubauen. Er hat aber auch eine schädigende Eigenschaft. Er kann gesunde Bäume befallen, besonders dann, wenn sie geschwächt sind. Am gefährlichsten ist der Honiggelbe (Armillaria mellea) und der Dunkle Hallimasch (Armillaria ostoyae). Der zuerst genannte befällt Laubbäume, der zweite Nadelbäume. Darüber später mehr.

Ein guter Speisepilz
Viele Hallimasch-Arten besitzen am Stiel einen wattigen Ring, der bei zunehmender Reife, Schneckenfrass oder Witterungseinflüsse verloren gehen kann. Die Oberseiten der Pilze können durch Sporenpulver bestäubt aussehen. Ein eindeutiges Erkennungsmerkmal der Hallimasche ist laut Wikipedia das adstringierende Gefühl im Rachen, das bei einer Kauprobe nach etwa einer Minute einsetzt.

Der Hallimasch ist im rohen Zustand giftig und Brechreiz erregend. Erhitzt (mindestens 8 Minuten durchgaren!) ist er aromatisch und gut. Aber den gelb bis braun und olivgrüne Pilz verträgt jedoch nicht jeder. So kann auch der erhitzte Pilz eine abführende Wirkung entfalten.

Erzeugt ein kaltes Leuchten
Wer einmal in der Dunkelheit das Pilzmyzel und besonders frisch vom Myzel durchwuchernde Holz gesehen hat, wird ein kaltes Leuchten beobachten können. Diesen Vorgang bezeichnet man als Biolumineszenz. Beim Glühwürmchen erzeugt das Leuchtorgan das Licht. Es entsteht durch die Reaktion von Luziferin und Luziferase. Dabei wird das Luziferin mit Sauerstoff in Oxyluziferin verwandelt. Das Enzym Luziferase wirkt als Katalysator und bringt das Oxyluziferin zum Leuchten.

Hallimasch als Baumkiller
Der Pilz kann durch Wunden mit seinem Rhizomorphen (sind aus Hyphen bestehende, verdickte Stränge von Ständerpilzen) durch die Wurzelrinde des Baumes eindringen und diesen infizieren. Laut  Baumpflegeportal befällt der Hallimasch das teilungsfähige Gewebe zwischen Rinde und Holz (Kambium). „Bei befallenen Bäumen kann man nach Ablösen der Rinde flächiges helles Myzel finden. Der Pilz kann eine Weissfäule im Kern verursachen. Der Baum ist dann bruchgefährdet.“

Schwache Bäume, die unter Stress, wie Schädlingsbefall, Staunässe, Wasser- und Nährstoffmangel leiden, werden eher befallen.

Hinweis: Ein Baumpfleger erkennt einen Hallimaschbefall. Das ist wichtig, da der Pilz zu erneuten Baumschäden führen kann. Über die Suchfunktion des Baumpflegeportals finden Sie schnell einen qualifizierten Baumpfleger (www.baumpflegeportal.de)

Die Grosse Tanne wurde zerstört
In Grenznähe zur Schweiz sind einige sehr alte Bäume zu sehen. So gibt es im Naturpark Südschwarzwald, besonders im Gersbacher Wald mehrere starke Tannen. Die ehemals 350 Jahre alte Grosse Tanne galt damals mit einer Höhe von 51 m als die grösste Tanne Westeuropas. Leider wurde die Tanne 1992 aufgrund starken Hallimaschbefalls und Stammfäule gefällt. Die Krone war auch durch Luftschadstoffe geschädigt und seit Oktober 1991 völlig abgestorben.

Weltgrösster Hallimasch
Wir sehen bei Pilzen den Fruchtkörper, der nur dazu dient, Sporen zu produzieren und zu verbreiten. Was wir jedoch nicht sehen, ist das unterirdische Pilzmycel. Es ist ein Geflecht aus haarfeinen Zellfäden (Hyphen). Man kann es kaum glauben wie gross ein solches Geflecht werden kann. Im Malheur National Forest (Nationalforst im Osten von Oregon, USA) wurde das Pilzmycel des Dunklen Hallimasch im Jahr 2000 anlässlich einer Untersuchung zum Waldsterben, entdeckt. Das grösste bekannte Lebewesen der Welt erstreckt sich auf einer Fläche von rund neun Quadratkilometer (900 Hektar). Sein Alter wird auf 2400 Jahre und sein Gewicht auf ca. 600 Tonnen geschätzt. 2004 wurde beim Ofenpass (Schweiz) ein 500 bis 800 m großes Hallimasch-Mycel entdeckt. Es soll 1000 Jahre alt sein.

 

Internet
www.baumpflegeportal.de
de.wikipedia.org/wiki/Hallimasche
https://www.mdr.de (Baumpilze erkennen und verstehen)
https://forstundgarten-mv.de/magazin/baumpilze
https://www.badische-zeitung.de (Größte Tanne soll in Erinnerung bleiben)

Literatur
Dähncke, Rose Marie: „200 Pilze“ (180 Pilze für die Küche und ihre giftigen Doppelgänger), AT Verlag, Aarau, Stuttgart, 1994.
Kremer, Bruno P.;Oftring, Bärbel: „NaturGenies“ (die verblüffenden Tricks der Pflanzen und Tiere), nicolai Verlag, Berlin 2012.

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