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BLOG vom 31.07.2020


Metamorphose: Das Wunder der Verwandlung

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Tagpfauenauge (Foto Elisabeth Faber)
 

Bei den Schmetterlingen können wir eindrucksvoll den vollständigen Wandel der Gestalt beobachten. Aus einem Ei schlüpft eine Raupe, dann folgte eine Verpuppung und letzten Endes kommt ein prächtiger Schmetterling zum Vorschein. Am Beispiel des Tagpfauenauges berichte ich in Bild und Wort über das Wunder der Verwandlung (Metamorphose).

Christian Wirth, ehemaliger Gymnasiallehrer, berichtete mir über zahlreichen Raupen an Brennnesselblätter auf einem Wanderweg in der Nähe meines Wohnortes. Er hat sich bereit erklärt, mich dorthin zu führen. Dann sah ich schwarze Raupen, die teilweise nebeneinander und übereinander auf den Blättern herumkrochen. Es waren bestimmt 30 Exemplare. Der Körper der Raupen war langgestreckt und hatte acht Beinpaare. Am Kopf befanden sich Mandibeln, das sind kräftige Mundwerkzeuge, die es ermöglichen, an Pflanzen ihre Nahrung abzubeissen. Während ihres gesamten Raupendasein wird gefressen und gefressen. Es kommt zu mehreren Häutungen. Danach hat die Raupe ihre endgültige Grösse erreicht.

 


Raupen des Tagpfauenauges (Foto Heinz Scholz)
 

Ramona Engel aus Grenzach-Wyhlen, die Schmetterlinge aufzieht, identifizierte die Raupen als solche vom Tagpfauenauge. Laut Infos von ihr dauern die Entwicklungsstufen vom Ei bis zum Schmetterling so lange: Schlupf aus dem Ei 7 bis 10 Tage, Raupenstadium ca. 2-3 Wochen, Schlupf aus der Puppe 10 bis 14 Tage. Der Vorgang ist wetterabhängig. Je wärmer, umso schneller erfolgt die Verwandlung.

 


Puppen des Tagpfauenauges (Foto Ramona Engel)
 

Wo waren die Puppen?
Vor der Verpuppung suchen sich die Raupen ein ruhiges Plätzchen, hängen sich an der Pflanze mit einem kleinen Seidenpolster fest. Das Raupenskelett wird abgestreift und dann folgt die Verpuppung.

Neugierig, wie ich bin, wollte ich die Puppen in Augenschein nehmen. Aber ich fand keine einzige. Waren sie gut versteckt? Alles Suchen war erfolglos. Ramona Engel wusste eine Erklärung: „Oft sind es Parasiten, die eine Verpuppung verhindern. „Ich hatte über 60 Tagpfauenaugenraupen. Daraus sind nur 10 Falter geschlüpft“, berichtet sie.

Von der Puppe zum Falter
Nach der Verpuppung geschieht das eigentliche Wunder, die Metamorphose, die Umwandlung zu einem schönen Schmetterling. Wenn alle Entwicklungsschritte abgeschlossen sind, platzt die Haut der Puppe auf, das Aussenskelett wird abgestreift und der Falter krabbelt heraus. In diesem Zustand kann der Schmetterling noch nicht fliegen. Die ausgebreiteten Flügel werden zunächst durchgehärtet. Dieser Vorgang kann einige Stunden dauern. Danach kann er endlich von Blüte zu Blüte fliegen, mit seinem Rüssel Nektar saugen und zur Paarung einen Partner finden.

Steuerung der Metamorphose
Es wurde immer wieder die Frage gestellt, was die faszinierende Entwicklung in verschiedenen Stufen verursacht. Was steuert diese vollständige Metamorphose? Die Fragen blieben unbeantwortet. Erst als man Hormone entdeckte, wurde das Geheimnis gelüftet. Es sind zwei Hormone, das Häutungshormon Ecdyson und das Juvenilhormon, die für den ganzen Prozess verantwortlich sind. Es gibt noch ein drittes Hormon, das Aktivitätshormon (Gehirnhormon), das u.a. wichtig für die Eiweisssynthese ist. Es löst auch die Winterruhe der Insekten aus. Es ist erstaunlich, wie durch das Zusammenspiel der Hormone ein geregelter Ablauf der Metamorphose erst ermöglicht wird.

 

Hinweis auf einen Blog über Schmetterlinge
18.07.2019: Ramona Engel: Ein Herz für Schmetterlinge

Infos
facebook.com/Garden-of-Butterflies
www.schmetterlingswiesen.de
www.wasistwas.de
www.bund-nrw-naturschutzstiftung.de

Literatur
Bellmann, Heiko: „Welches Insekt ist das?“, Kosmos Verlag, Stuttgart 2017.
Dierl, Wolfgang: „Schmetterlinge“ (BLV Naturführer), BLV Verlgasgesellschaft, München 1981.
Helb, Matthias: „Insekten - überlebensgross“, Kosmos Verlag, Stuttgart 2016.
Reichholf-Riehm: „Schmetterlinge“ (Steinbachs Naturführer), Mosaik Verlag, München 1983.

 


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