Ohne Ameisen kein Schmetterling des Jahres 2026
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

Immer wieder bewundere ich die prächtigen Fotos von Bernd Flicker, die auf Twitter (X) publiziert werden. Eines der neuesten Abbildungen war der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous). Das im Blog befindliche Fotos stammt von ihm, der den Abdruck genehmigt hat. Dafür ein herzliches Dankeschön.
In meinem Fotoarchiv entdeckte ich den Großen Wiesenknopf. Leider sah ich die Pflanze bei unseren Wanderungen nur zweimal und den gekürten Falter sah ich ihn leider noch nicht.
Der Tagfalter wurde zum Schmetterling des Jahres 2026 durch die BUND NRW Naturschutzstiftung zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V. gekürt. Die Organisation kürt seit 2003 Schmetterlinge des Jahres, um auf die Bedeutung und Bedrohung der Schmetterlinge aufmerksam zu machen. Nach Angaben von BUND sind nur ein Drittel der Tag- und die Hälfte der Nachtfalterarten in Deutschland noch ungefährdet.

„Wolf im Schafspelz“
Der zimtbraune 28 bis 33 mm eher kleine Tagfalter nutzt während seiner kurzen Flugzeit im Juli und August die Blüten des Großen Wiesenknopfs als Nahrungsquelle, Platz für die Paarung und Eiablageort. Die Weibchen unterschieden sich von den Männchen durch ihre Farbe. Die Weibchen sind an der Flügeloberweite braun, während bei den Männchen das Blau der Oberseite im Flug als blauer Schimmer sichtbar wird.
Die sich aus dem Ei entwickelte Raupe ernähren sich von den Blüten, danach verändert sich ihr Aussehen durch Häutung. Sie sehen dann nicht mehr wie eine Raupe aus, sondern wie eine Made. Dann täuschen sie in raffinierter Weise Ameisen, die eigentlich der schlimmste Fressfeind des Ameisen-Bläulings sind. Die Larven lassen sich zu Boden fallen und warten auf Knotenameisen, die vorbei krabbeln. Die Larven werden dann durch die Ameisen in ihre Nester getragen. Das kommt daher, weil die Schmetterlingslarven ähnlich aussehen wie die Ameisenlarven und einen für die Ameisen attraktiven Duft ausströmen. In den Ameisenbauten leben die Raupen als `Wolf im Schafspelz`, indem sie ungeniert bis zu 600 Ameisenlarven in den Monaten ihres Aufenthaltes vertilgen. Nach der Verpuppung muss der frisch geschlüpfte Schmetterling so schnell wie möglich den Ameisenstaat verlassen. Erst an der Erdoberfläche streckt und trocknet er seine Flügel.
„Dieses komplexe Zusammenspiel von Pflanze, Falter und Ameise ist faszinierend – und zugleich extrem störanfällig. Schon kleine Veränderungen in der Bewirtschaftung oder im Klima können dieses fragile Gleichgewicht aus dem Takt bringen“, wie NABU berichtet.
So finden wir infolge intensiver Grünlandnutzung, verstärkter Düngung und häufige Mahd immer weniger den Großen Wiesenknopf. Auch wird die Knotenameise seltener. Es ist eine Folge der heissen und trockenen Böden durch den Klimawandel. Dort wo noch die erwähnten Arten anzutreffen sind, gelten sie als Indikator für intakte Feuchtwiesen.
Weitere Auszeichnungen des Jahres 2026
Vogel des Jahres 2026: Rebhuhn
Lurch des Jahres 2026: Alpensalamander
Blume des Jahres 2026: Feldrittersporn
Wildbiene des Jahres 2026: Glockenblumen-Schmalbiene
Heilpflanze des Jahres 2026: Nachtkerze
Beliebtestes Wildtier 2026 der Schweiz ist der Igel
Gemüse des Jahres 2025/2026: Blattkohl
Infos
www.pronatura.ch
www.naturschutz-malchow.de
www.nabu.de
www.nutzpflanzenvielfalt.de (von VEN)
Anmerkungen:
Der NABU (Naturschutzbund Deutschland) ist seit 125 Jahren ein Zuhause für alle, die sich für unsere Natur und Umwelt engagieren.
Pro Natura ist die führende Naturschutzorganisation der Schweiz. Wir lieben die Natur, verteidigen ihre Interessen und verleihen ihr eine starke Stimme. Die natürliche Vielfalt an Tieren, Pflanzen und Lebensräumen muss erhalten und gefördert werden!
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) oder auch Gewöhnliche Nachtkerze wurde vom Naturheilverein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2026 gewählt. Ursprünglich war die Pflanze in Nordamerika heimisch. Um 1620 wurde sie in Mitteleuropa eingeführt und zählt hier daher zu den Neophyten (nicht heimische Pflanze).
Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) kürt das „Gemüse des Jahrs“ seit 1998. Der Blattkohl wurde zur „Gemüse des Jahrs“ 2025/2026 gekürt. Zum Blattkohl gehören einige Kohlsorten, darunter der Grünkohl.
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