Textatelier
BLOG vom: 20.02.2005

Fuchsjagd England: ...sonst wird dich der Jäger holen

Autor: Emil Baschnonga

Ich kann das Jubelgefühl von Lislott Pfaff im Blog „Die Füchse in England dürfen aufatmen“ (20. Februar 2005) nachfühlen.

Wäre ich ein Fuchs, würde ich jedoch fragen: Wie wirksam wird das Gesetz, das die Fuchstreibjagd verbietet, eingehalten werden? Die Polizei hat andere Prioritäten. Immerhin kam es nahe Malmesbury in der Grafschaft Wiltshire bereits zu ersten Festnahmen wegen illegaler Hetzjagd mit Hunden. Die Fuchsjäger mit ihren Hundemeuten werden, wie man sieht, ihren Lieblingssport nicht kampflos aufgeben, wie daraus hervorgeht. Einige Jagdgesellschaften haben zivilen Ungehorsam angekündigt. Schon am Vortag des Verbots – am 18. 2. 2005 − war es bei Fuchsjagden in Chiddingfold, Leconfield und Cowdray zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Tierschützern und Jägern gekommen.

Nach dem etwa 180 Jahre alten Kinderlied: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen – gib sie wieder her – sonst wird dich der Jäger holen − mit dem Schiessgewehr“ geht die Fuchsjagd allenfalls ohne Hunde weiter, wohl in Treibjagdformation; es werden also etwa 25 000 Hunde (und etwa gleich viele Jobs) überflüssig. Angeschossene Füchse verenden qualvoll, gleich jenen, welche in die schlimmen Fuchsfallen geraten.

Und wie steht es mit den Feldhasen, jetzt da sie – im Gegensatz zu den Kaninchen − nicht länger von den Windhunden gejagt werden dürfen? Die Hunde werden nicht zwischen den langen Löffeln der Hasen und den kürzeren der Kaninchen unterscheiden. Leider geht das auf keine Perücke.

Immerhin ist ein gewisser Fortschritt gesichert. Hoffentlich wird das neue Gesetz respektiert.

PS: Soeben habe ich auf der Titelseite der „Sunday Times“ gelesen: "Hunts kill 91 foxes on first day of ban" (am 1. Tag des Jagdverbots haben Jäger 91 Füchse gekillt) − ein trauriger Nachsatz.

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