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10. Ausgabe www.textatelier.com 30. 06. 2004

Die Jahre 1 und 2 im Textatelier

Wir sind und bleiben bescheiden: Die Zeitrechnung wird nie mit dem Datum der Gründung des Textateliers ( www.textatelier.com ) beginnen – am 1. Juli 2002. Man mag das bedauern.

Papst Gregor XIII., mit bürgerlichen Namen Ugo Buoncompagni, der den Julianischen Kalender der alten Römer als veraltet betrachtete und 1582 seinen eigenen Gregorianischen Kalender einführte, konnte das in Biberstein domizilierte Textatelier noch nicht kennen. Er lebte rund 400 Jahre zu früh (oder das Textatelier wurde entsprechend zu spät eröffnet, wie mans nimmt). Der Papst richtete seinen erstaunlich genauen Kalender auf den Erdumlauf um die Sonne aus. Die Regeln des Gregorianischen Kalenders führen zu einer durchschnittlichen Jahreslänge von 365,2425 Tagen, ziemlich, wenn auch nicht ganz genau.

Und seit 2 solchen Zeitspannen ist das Textatelier auf dem Markt, auf dem die Buchstaben beschwingt tanzen. Die üblichen Rückblickworte, die Anfangsschwierigkeiten seien nun überwunden, kann ich mir sparen. Wir hatten einen fulminanten Start, und im Furioso ging es weiter. Ich weiss nicht, ob die globale Wirtschaftskrise an diesem Erfolg beteiligt ist – wir sind es ohnehin gewohnt, gegen alle Ströme zu schwimmen. Jedenfalls waren reife Texte und andere Leistungen, die damit zusammenhängen, allzeit gefragt; Erklärungsbedarf besteht immer, um es zeitgemäss auszudrücken.

Mit Überraschung habe ich auch festgestellt, dass gerade auch im Internet gepflegte, solide Texte gefragt sind; denn Internetauftritte müssen sich auszahlen. Das Internet ist kein analphabetisches Medium – ganz im Gegenteil. Es lebt weitgehend vom geschriebenen Wort. Das erzeugt viel mehr Wirkung als die dort ebenfalls verbreiteten Kinderspielereien in Form von Geblinke und Getöse.

Dieses moderne Medium, das fast alles kann, laufend hinzulernt und als ein effektiver technischer Fortschritt zu bezeichnen ist, wird allmählich erwachsen – im Gegensatz zu vielen gedruckten Medien. Jene wollen ihren Niedergang ausgerechnet mit der kontinuierlichen Abschaffung des geschriebenen Wortes verhindern. Selbstverständlich geht diese Rechnung nicht auf – die Medien gehen allmählich ein, sie schrumpfen auch optisch. Zeitungen wechseln vom Zeitungsformat zum Tabloidformat, ein augenfälliges Symbol des Schrumpfens.

Zurück zum Ansichtskartenformat
Viele Zeitungen hatten früher Weltformat, das sie auch durch die Fläche des bedruckten Papiers zum Ausdruck bringen wollten: Sie erschienen im Berliner Format (315 × 470 mm), im Rheinischen Format (365 × 510 mm) oder zum Beispiel im Norddeutschen Format (400 × 570 mm). „Le Figaro“ brachte es in Frankreich auf 425 × 600 mm und die japanische Zeitung „Asahi Shimbun“ immerhin noch auf 405 × 545 mm. Gewiss, bei grösseren Windstärken waren diese Papiertücher in Plakatgrösse schwierig zu lesen. Sie entwickelten ähnliche Eigenschaften wie Segel, leiteten Höhenflüge ein.

Ein Papier von Taschentuchgrösse ist einfacher zu bebildern und zu beschreiben als ein Leintuch. Und so hat sich eben parallel zur inhaltlichen Ausdünnung im Sog des Mainstreams mit seiner Bilderdominanz folgerichtig auch das Papierformat verkleinert. Man ist nun (Stand: Juli 2004) vielerorts beim Tabloidformat (235 × 320 mm) angekommen, was im Vergleich zur inhaltlichen Qualität (intensiv illustriertes Kurzfutter) immer noch zu grossflächig ist. Wir empfehlen deshalb eine innovative Weiterentwicklung in Richtung des bewährten Ansichtskartenformats. Denn wahrscheinlich wird man in vielen Redaktionsstuben in den nächsten Jahren auch vergessen, dass Bilder Erklärungen benötigen, um ihre volle Wirkung und Kraft entfalten zu können; ohne Begleittexte (Legenden) können sie missverständlich und bedeutungslos sein. Der Betrachter muss erfahren, wann, wie, wo und unter welchen Umständen ein Bild zustande kam und ob es manipuliert ist.

Während meiner Redaktionsjahre habe ich jede Manipulation in der Bildlegende vermerkt, zum Beispiel als ein Bildautor einmal das Nasenbluten mit roten Wollfäden markiert hatte. Publizisten mit Ethik müssen wahre und vollständige Geschichten erzählen, ansonsten sie jede Legitimation zum Kritisieren und jede Glaubwürdigkeit verlieren. Nicht mehr glaubwürdig zu sein ist das Schlimmste, was passieren kann. Die US-Politik, die ihren Irakkrieg auf lauter Lügen aufbaute, lehrt uns das ununterbrochen; das Lehrstück ist das einzig Sinnvolle daran.

Das erwähnte Ansichtskartenformat für Zeitungen wird sich nach der vollkommenen Abschaffung des Wortes gebieterisch aufdrängen, eine auch ökologisch begrüssenswerte Entwicklung. Die meisten Zeitungsreformatoren können es kaum erwarten, bis die Presse wie das Fernsehen zum „Nullmedium“ geworden sind, von dem Hans Magnus Enzensberger einmal aus guten Gründen sprach. Die Verbreitung von Blödsinn zur Belebung der hirnlosen Spasskultur macht sie vielleicht bald einmal sogar zum Unternullmedium, wenn der Geist nicht mehr zurückgeholt werden sollte.

Jede Menge Platz
Je mehr sich die Zeitungen – und immer mehr auch viele Zeitschriften – dem Irrglauben beugen, die Leute könnten eh nicht mehr lesen, infolgedessen den Text abschaffen und zum gedruckten Fernsehen werden (das ziemlich textfrei ist, abgesehen von einigen Untertiteln), desto intensiver kann das Internet aufblühen. Hier ist für längere Texte noch Platz genug; es ist praktisch das einzige Medium, das den Umfang nicht limitiert. Und für die Entfaltung Platz in beliebiger Menge zu haben, inspiriert – das ist auch beim Wohnen so. Wer etwas genau und ausführlich lesen will, beschafft sich ein Buch oder sucht im Internet. Das ist eine der Chancen für dieses schnelle und ausserordentlich leistungsfähige Medium, das somit auch anspruchsvolle Aufgaben erfüllen kann. Es ist und wird sein, was man daraus macht.

In den beiden Berichtsjahren 1. Juli 2002 – 30. Juni 2004 habe ich, erstmals gewissermassen als Aussenstehender, den Wandel im Medienbereich mit aller Deutlichkeit erfahren. Die Aufträge aus dem Bereich der Druckmedien (man gestatte mir dieses deutsche Wort für Printmedien) stagnierten, abgesehen von Ausnahmen. Eine solche war die EGK-Gesundheitskasse in 4242 Laufen ( www.egk.ch ), die das Textatelier mit der Redaktion der anspruchsvollen, einzigartigen Mitgliederzeitschrift „Mir z'lieb“ (ab Januar 2003) beauftragt hat. Diese verhilft interessierten Menschen in Form von informativen Schriftdokumenten zu einem gesünderen und lustvolleren Leben verhelfen will, ein verantwortungsbewusstes, anregendes Verhalten ohne jeden missionarischen Unterton.

Zu den Neukunden gehört auch die solide, von einer sachkundigen Redaktion ( Lotta Ingold, Beatrice Räber, Patrick Eisenmann und Marco Utz ) professionell betreute Zeitschrift „bisch zwäg“ („Bist du bei guter Gesundheit?“, „Bist du in Form?“), die im 96. Jahrgang erscheint und das offizielle Organ der Vitaswiss (Volksgesundheit) ist ( www.vitaswiss.ch ). Mit diesem Publikationsorgan hat sich eine erspriessliche Zusammenarbeit angebahnt. Es erscheint im C5-Format, ohne seicht zu sein – im Gegenteil.

Es darf noch geschrieben werden: Zu den Ausnahmen gehört auch der quirlige, exzellente Wegwarte-Verlag in CH-3065 Bolligen, eine Erfindung des literarischen, zeichnerischen und fotografischen Multitalents Fernand („Sepp“) Rausser. Der Meisterfotograf und Cartoonist gründete seinen eigenen Verlag im Alter von 77 Jahren, um endlich jene Bücher herausbringen zu können, von denen er schon immer geträumt hatte. Seine Helden seien das Unkraut, das Gras und die Regentropfen, sagte er einmal; bei ihm wird auch das Unbedeutende bedeutend. Zu Raussers jüngsten Werken gehört das Büchlein „Angela und Otto“, das er eigenhändig geschrieben und mit köstlichen Cartoons illustriert hat. Es beginnt bei Adam und Eva und endet bei unserer zerfahrenen Welt, eine gleichermassen köstliche und aufrüttelnde Apfelbaum-Geschichte. Sepp erhielt am 11. Juni den Kulturpreis der Bürgi-Willert-Stiftung in Bern.

Für diesen jungen Verlag durfte ich den Text für 2 Bändchen schreiben: „Luft zum atmen“ (die Kleinschreibung von atmen ergab sich aus der Titelbildgestaltung, die „Luft atmen“ hervorhebt) und „Kiesel und andere edle Steine“. Einer der besten Gestalter, die ich kenne, machte bibliophile Edelsteine daraus: Erwin Götz-Gee aus 3053 Münchenbuchsee.

Buchproduktionen und die Nachfrage nach Gedrucktem beweisen, dass es sie noch immer gibt, die Leser. Auch die Literaturtage Solothurn im Mai 2004 waren übrigens ein unerwarteter Erfolg.


Ausschnitt aus dem Büchlein „Kiesel und andere edle Steine“: Edelsteine aus der Rausser'schen Wegwarte-Produktion

Homepages
Im Textatelier wuchsen die Aufträge von Homepage-Inhabern deutlich und ständig. Homepages, wie sie von Textatelier-Mitarbeitern unter der Leitung von Urs Walter in stattlicher Anzahl technisch eingerichtet und einfühlsam gestaltet wurden, müssen höchste ästhetische und inhaltliche Anforderungen erfüllen, damit sie im dichten Netz wahrgenommen und ernst genommen werden. Glücklicherweise kann die Textatelier-Equipe solch hoch gesteckte Erwartungen erfüllen und übertreffen. Hier die Beispiele von 3 verschiedenartigen Firmendarstellungen im Internet, wovon 2 ähnlich klingen. Urs Walter hat sie technisch programmiert und teilweise zusammen mit Sonja Burger gestaltet. In jedem Fall ging es darum, den jeweiligen Firmencharakter treffend zum Ausdruck zu bringen:

  • www.oecovita.ch (Anwendungen der Biosynergetik mit Berücksichtigung der Energieflüsse als harmonisierende Lebensgrundlagen von Hardy und Christa Burbaum, eine Orientierungshilfe in einer ausser Rand und Band geratenen Zeit),
  • www.oecosynt.ch (Altreifen-Wiederverwertung mit Aufbereitung zu hochwertigen Rohstoffen, eine Pionieranlage in Moudon VD, die unter der Leitung von Alex Hirt eines der Umweltprobleme auf intelligente Weise löst) und
  • www.liq.ch (das dynamisch geführte Liquidationsunternehmen von Jakob Aeschlimann in Zofingen, ein Musterbeispiel für eine schnell anpassungsfähige, auf das Wesentliche reduzierte Homepage).

Da das Textatelier eine ausserordentlich breite Palette von Spezifikationen anbietet und praktisch vor keiner Aufgabe zurückschreckt – die schwierigsten sind die beliebtesten –, ergibt sich aus der Art der Aufträge ein recht gutes Bild von den aktuellen Bedürfnissen rund ums geschriebene Wort, das nichts von seiner Bedeutung einbüsst, auch wenn es digitalisiert daherkommt.

Wie beim Kochen…
Im Verlaufe des Jahres 2 habe ich einen neuen Text für unsere Textatelier-Einstiegsseite geschrieben und mich dort wieder einmal mehr zu diesem geschriebenen Wort bekannt. Und bei diesem Bekenntnis, in dem auch die Liebe zu Schriftstücken aller Art zum Ausdruck kommt, wird es bleiben. Es bildet die Grundlage für den Erfolg des Textateliers; und gegen kunstvolle Einbettungen der Buchstabenversammlungen ins technische und gestalterische Umfeld ist nichts einzuwenden. Es ist wie bei einem guten Koch: Wer mit Liebe kocht und selber gern isst (beziehungsweise liest), der bringt die delikateren Gerichte zustande als jemand, der jedem Genuss abhold ist. Menschen, welche die Kochkunst auf Fastfood und Convenience-Frass reduzieren, werden krank und brauchen bald einmal nichts mehr zu essen.

Es gibt nichts, das nicht auch seine Vorteile offenbart: Das Bequemlichkeits-Schnellfrassfutter mit all den Chemikalienbeigaben zwingen einen, selber an den Kochherd zu stehen. Wir haben zudem damit begonnen, unser Brot in einem Freiluft-Holzbackofen selber zu backen, der Brotchemie ein Schnippchen schlagend. Mit Hilfe eines hausgemachten Sauerteiges haben wir die natürliche Schmackhaftigkeit des Brotes zurückgewonnen. Gleichermassen wird der um sich greifende Analphabetismus mit den damit verbundenen Entzugserscheinungen das Bedürfnis nach Geschriebenem wieder wecken.

Wenn das Umfeld stimmt
Hervorragende Leistungen brauchen ein ideales Umfeld. Bei mir ist dieses vorhanden. Mein technisch hochbegabter Schwiegersohn Urs Walter , der jede Menge von Verständnis für komplizierte Zusammenhänge und Abläufe hat, bringt meine computertechnische Anlage in selbstlosem Einsatz ständig auf den neuesten Stand. Er hat mir ein perfektes Intranet eingerichtet, damit ich von allen Computerstationen, auch jener im Wintergarten mit den wegschiebbaren Glaswänden, dem Gartenkontakt und Blick auf die Aare, problemlos auf den Server zugreifen kann, der alle Dokumente freundlicherweise doppelt speichert. Für die Speicherung von Texten und der wachsenden Sammlung von Digitalfotos mit jeweils 5 Mega-Pixels stehen Festplattentürme (Disk Arrays) zur Verfügung. 3 Drucker, 1 Scanner und der ganze notwendige Computer-Klimbim für alle Übertragungslagen sind in Betrieb und werden sorgfältig gewartet; der ADSL-Anschluss versteht sich von selbst.

Nur die Kabellosigkeit (Wireless) machen wir bewusst nicht mit, weil wir uns nicht freiwillig mehr als unbedingt mit Elektrosmog verseuchen wollen und auf stabile und schnelle Übertragungsverhältnisse Wert legen. Meinen Bürostuhl und den Schreibtisch mit dem Metallskelett im Aussenbüro habe ich erden lassen.

Für uns und unsere Kunden bedeutet diese Sicherheitsphilosophie eben Sicherheit, Zuverlässigkeit; noch nie haben wir uns „wegen Computerproblemen“ für eine Verzögerung entschuldigen müssen. Auch das schafft Vertrauen.

Danke
Die Sache funktioniert, dank weiteren guten Geistern, wie dem unermüdlichen, exakten und sprachlich versierten Hauskorrektor Hans Kurt Berner, CH-5023 Biberstein, den ich als pflichtbewussten, talentierten Lektor für anspruchsvolle Texte jedermann aus jahrzehntelanger Erfahrung empfehlen kann.

Und zudem habe ich auch Heinz Scholz aufrichtig zu danken, der das Textatelier fast täglich mit neuen Impulsen, Hinweisen und eigenen Produktionen beschenkt. Bei unseren häufigen E-Korrespondenzen können wir auch unser Missbehagen darüber ausdrücken, wie sich dieses Amerika mit seiner rücksichtslosen Politik zu einer eigentlichen Weltseuche entwickelt hat, nicht nur wegen seinem rücksichtslosen Streben nach eigenen Vorteilen, nicht nur wegen seiner Kriege, Folterungen und der förmlichen Züchtung von Terroristen, sondern auch, weil es nach dem Hormonfleisch und den unsinnigsten „wissenschaftlichen Erkenntnissen“ gerade auch noch die Gentechnologie rücksichtslos weltweit überall aufzwingen will. Und dann drängt uns das immer wieder, unser aufgestautes Missbehangen in einem Amerika-kritischen Artikel ins Netz zu stellen, weil diesbezüglich vielerorts eine verklemmte Zurückhaltung, wohl aus Angst vor Strafaktionen, geübt wird. Wahrscheinlich braucht es noch weitere Jahre mit dem Kriegstreiber George W. Bush, damit die Welt endlich, endlich erkennt, dass sie sich von den rein eigennützig handelnden USA abnabeln und selbstständig, erwachsen werden muss. Noch ist es nicht so weit.

Was gefragt ist
Wir geniessen inzwischen die Freiheit made in Switzerland und hoffen, sie noch lange erhalten zu können. Freiheit im Denken, das Freisein von politischen und religiösen Indoktrinationen und eine kritische Distanz gegenüber verhängnisvollen „Vorbildern“ wie Amerika schaffen unglaubliche Freiräume, die kreativ genutzt werden können. Sie finden ihren Ausdruck teilweise in der umfangreichen und ständig wachsenden Texte-Sammlung, die wir ins Internet gestellt haben und die wir weiterhin anreichern werden; deren Beachtung wächst ständig, wie die Zugriffsstatistik beweist.

Als Einzelartikel am meisten Zugriffe verzeichnete überraschenderweise der Bildbericht „ Wüsten – Reduktion auf das Wesentliche“ , der immerhin 55 700 Zeichen umfasst, was etwa 10 Zeitschriftenseiten im A4-Format entspricht… Es wird auch im Internet noch gelesen. An 2. Stelle ist der Glanzpunkt „Pflanzenschutz mit Jauchen, Brühen und Tees“ von Heinz Scholz . Ökologische Themen haben auf unserer Homepage einen hohen Stellenwert. Das spricht auch für unsere Nutzer: Sie haben offensichtlich Sinn für Wesentliches. Begegnungen mit dem Biologen Heiner Keller und dem weiteren Personal der seit 25 Jahren bestehenden ANL ( www.anl.ch ), einem erfahrenen Team von Ökologen, Botanikern und Zoologen, bringt mich jeweils wieder auf den neuesten Stand der Erkenntnisse.

Alle Textatelier-Mitarbeiter werden der herkömmlichen und bewährten Philosophie auch im Jahr 3 und darüber hinaus die Treue halten. Ich danke allen unseren guten Geistern, Kunden und Sympathisanten. Wir werden Sie weiterhin nicht enttäuschen. Unser Umfeld ist so, dass eigentlich nichts Wesentliches schief gehen kann.

Wir werden jederzeit das Beste geben. Darauf geben wir Ihnen, woran uns so viel liegt: unser Wort.

Walter Hess

„Du musst immer fragen“

Jeder aufgeweckte, dem Baby-Alter entsprungene Mensch kommt unweigerlich in die Frage-Phase. Dies ist meistens im Alter von 3 Jahren der Fall. Dann wird gefragt, was das Zeug hält. Und die Erwachsenen rufen in ihren entferntesten Gehirnwindungen eine Antwort ab. Wurde eine zufriedenstellende Antwort gegeben und während man auf eine Ruhepause des Fragers wartet, folgt unweigerlich ein „Warum“ oder „Wieso“. Kommt ein Erwachsener an die Grenze seines Wissens oder hat er einfach keine Lust mehr, dem Kleinen oder der Kleinen zu antworten, dann wird wohl ein „Weiss ich nicht!“ über seine Lippen kommen. Es wird gehofft, dass keine weitere Frage mehr folgen und der Kleine weiss, dass das Frage-Antwort-Spiel jetzt beendet ist.

Mein Enkel lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und stellt die nächste Frage. Und so geht es eine Viertelstunde, manchmal sogar länger. Oft so lange, bis der Opa sich fusselig geredet hat und sich nach einem kühlen Schluck sehnt, um seinen trockenen Mund zu befeuchten. - Unser wissbegieriger Enkel stellt an anderen Tagen oft dieselben Fragen, um die Grosseltern oder Eltern zu überprüfen, ob sie auch dieselben Antworten geben.

Dazu fällt mir ein treffender Witz ein:
Ein Vater sagt zu seinem Sohn: „Wenn Du nicht fragst, dann bleibst Du dumm!“ Diesen Ausspruch merkte sich sein Sohn, und er begann mit den Fragen: „Warum fliegt der Vogel?“
Antwort des Vaters: „Weiss ich nicht!“ Der Kleine liess sich nicht aus der Ruhe bringen und fragte weiter: „Warum fährt das Auto?“ Dem Vater war die Fragerei zu dumm und er meinte: „Weiss ich nicht!“ Da antwortete sein Sohn: „Siehst Du, Vater, du musst immer fragen, sonst bleibst du dumm!“

Lesen erweitert den Horizont
Viele Erwachsene nehmen sich die Dummheit anderer zu Herzen und beginnen mit dem Lesen. Denn immer wieder hört man, Lesen erweitere den Horizont. Nun weiss ich endlich, warum etliche Politiker und Manager nicht gerade vor Intelligenz strotzen: Sie kommen ja nicht zum Lesen. Sie sehen ihre Hauptaufgabe darin, unsinnige Projekte in Angriff zu nehmen, die Meinungen anderer zu negieren und das Volk mit Unwahrheiten zu „bombardieren“. Aber zum Glück gibt es auch lesefreudige, intelligente Politiker. Diese haben es jedoch schwer, sich Gehör zu verschaffen. Oft werden sie abserviert.

Auch für unsere Kinder wird das Lesen infolge der Ablenkungen durch Fernsehen, Computerspiele und andere Dinge immer mehr zurückgedrängt. Laut Pisa-Studie haben die heutigen Kinder erhebliche Leseschwächen. Einen Lichtblick gibt es jedoch. Nach Publikation der Harry-Potter-Bücher von Joanne K. Rowling kam heraus, dass viele Kinder doch mit Freude lesen. Oft ist es jedoch so, dass die Schüler oder Schülerinnen nicht unbedingt zugeben, dass ihre grösste Freude das Lesen ist. Vielmehr erwecken sie Bewunderung, wenn sie äussern, dieses oder jenes Computerspiel wäre das tollste Spiel aller Zeiten.

Nichtleser oder Wenigleser können sich mit folgendem Spruch trösten.

  • Wer viel liest, weiss viel.
  • Wer viel weiss, vergisst viel.
  • Wer viel vergisst, weiss wenig.
  • Warum überhaupt erst lesen?
  • (Verfasser unbekannt; mitgeteilt von Jürgen Wolf )

 

Fazit
Wie Walter Hess treffend in seinem 8. Rundbrief schreibt, kann Wissen (auch falsches Wissen) als Macht missbraucht werden. Dieser Machtmissbrauch ist zu verurteilen. Aber lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen, fördern wir uneingeschränkt das Wissen unserer Kinder. Beantworten wir auch unbequeme Fragen und weisen sie rechtzeitig – dem Alter entsprechend – auf Lügen und Verdrehtheiten, die so manche Menschen und Institutionen von sich geben, hin.

P.S.: Ein herrliches Bild ist in der Tat das in jenem Rundbrief abgebildete, interessierte Knäblein, das gerne wissen möchte, was so unter einem Frauenrock ist: Eine natürliche Art der Horizonterweiterung.

Heinz Scholz

Lesen als Zeitverschwendung

Aus meiner Sammlung über Lehrer, Schüler und Schulen eine Episode aus Basel, die zeigt, dass Lesen in früheren Zeiten als Zeitverschwendung galt. Zu jener Zeit gab es aber auch Lehrer, die kaum schreiben oder lesen konnten. Viele Eltern waren der Ansicht, Mädchen müssten Hausarbeiten verrichten und die Buben auf dem Feld arbeiten. Es genüge, wenn die Sprösslinge das Kreuz machten und das Vaterunser beten könnten. Schliesslich wüssten die Eltern auch nicht mehr. Zum Glück hat sich dieser traurige Zustand später geändert.

In Basel gab es seit 1838 die allgemeine Schulpflicht. Vorher galt das Lesen- und Schreibenlernen als Zeitverschwendung. Nur wer Gelehrter oder Geistlicher werden wollte, musste Lesen und Schreiben erlernen. Zu jener Zeit gab es sogar Könige und Grafen, die kein Wort lesen oder schreiben konnten. Sie hatten ihre Vorleser oder Hofschreiber. Die angehenden Geistlichen erwarben ihre Kenntnisse in einer Stifts- oder Klosterschule. Hauptfächer in einer solchen Stiftsschule waren Latein und Singen. Die geplagten Schüler mussten viele lateinische Kirchenlieder und ein dickes Buch mit lateinischen Versen auswendig lernen. Ferner mussten sie Bücher mit schwer verständlichen Erklärungen über die Kunst des Redens und Disputierens studieren. In solchen Schulen sassen ganz junge und alte Schüler nebeneinander. Auch wurden so genannte fahrende Schüler, Scholaren, aufgenommen.

Das Schülerleben war nicht einfach. Sie wurden streng erzogen. Nur einmal im Jahr, am St.-Niklaus-Tag, durften sie fröhlich und ausgelassen sein. Sie bekamen einen Wecken aus feinem Mehl und zogen durch die Stadt und machten lauter Spässe. „Die Leute standen am Strassenrand, lachten über die Spässe der Knaben und gaben ihnen kleine Geschenke“, wird berichtet. Bevor der Winter Einzug hielt, kauften reiche Bürger der Stadt den armen Schülern Schuhe und Tuch für ein warmes Kleid.

 

Heinz Scholz

(Quelle: „Heimatgeschichtliches Lesebuch von Basel“ von Fritz Meier, 1955)

LESERPOST

Zeitzeugnisse aufbewahren?

Zum Mittagskafi habe ich den Rundbrief Nummer 9 ausgedruckt, gelesen und Dir zugehört, was Du über das Sammeln von Dokumenten und Gegenständen gesagt hast. Ich musste an meine Zeit in der Buchhandlung denken, als ein gewisses Feng-Shui-Buch aktuell war, das anleitete, sich von Altlasten zu befreien: „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags. Richtig ausmisten. Gerümpelfrei bleiben“ von Karen Kingston. Es war ein Renner. Die Frauen rissen sich darum, kamen uns berichten, wie befreit sie nach der Aktion seien. Ich wunderte mich wieder einmal, wie diese nicht selbst auf die Idee kommen konnten, Ordnung in ihr Leben zu bringen. Aufräumen hat doch auch etwas zu tun, mit Ordnung machen in sich selbst.

Aus Deinen Überlegungen entnehmen wir, wie wichtig es ist, Zeitzeugen aufzubewahren. Ja, wenn es wesentliche oder wertvolle Dinge sind. So denke ich.

Das richtige Verhalten liegt wohl in der Mitte. Mit etwas Übersicht können wir Nötiges von Unnötigem trennen. Meine Mutter unterzog die aufbewahrten Dinge im Abstand von etwa 2 Jahren immer wieder einer Prüfung. Nicht jeder Gegenstand überlebte sie jahrelang. Für uns, die aufräumen mussten, waren die Schätze, die wir nach ihrem Tod fanden, wirklich geprüft und für wertvoll befunden.

So halte ich es auch, möchte es meinen Töchtern ersparen, dass sie sich mit vielen Altlasten beschäftigen müssen. Vieles ist doch auch nur für mich selbst wichtig und rührt nur an die eigene Geschichte, von der sie wenig Ahnung haben.

So, das waren ein paar Gedanken, ganz frisch nach der Lektüre Deines Rundbriefes. Ich schicke noch ein paar Grüsse dazu, fein gezuckert mit frischem, vergänglichem Schnee.

Rita Lorenzetti, Hardturmstrasse 238, 8005 Zürich


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